Was Wolfgang Rihm für Deutschland ist, ist er für Frankreich: ein Erfolgskomponist, hellwach, vielseitig gebildet, ungeheuer produktiv. Pascal Dusapin, geboren 1955 in Nancy, hat sich nie einer Schule unterworfen. Und doch klingt seine Musik in ihrer Sinnlichkeit und Farbigkeit typisch französisch. 

Sie schillert und fluktuiert, sie ist ständig in Bewegung, sie ist leicht und licht wie der Wind, die Wellen, die Wolken. Seine Partituren schreibt er mit kalligraphischem Gespür, setzt sie ganz altmodisch mit Tusche aufs Papier. Kaum zu glauben, dass es einst ausgerechnet die schroffen Kompositionen von Edgar Varèse und Iannis Xenakis waren, die ihn zur Musik brachten. Heute ist Dusapin mit seinen Opern und seinen opulenten Orchesterstücken international erfolgreich. Überdies gilt der Klangmagier vom Pariser Montparnasse als sensibler Fotograf, der mit seinen mehrdeutigen Schwarzweißfotos zum Nachdenken und Nachträumen verführt. Thorsten Preuß porträtiert den vielseitigen Künstler, der sich selbst als Geschichtenerzähler sieht.

© BR Klassik, Horizonte, 14.4.2020

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