„Der Käfig des Schweigens“ Von Rebecca Solnit

Der Hashtag MeToo fiel nicht vom Himmel. Die US-amerikanische Essayistin Rebecca Solnit erzählt, wie sich in den letzten zehn Jahren das gesellschaftliche Klima geändert hat. Belästigte, misshandelte, vergewaltige Frauen wurden jahrzehntelang eingeschüchtert, von Ärzten, Polizisten und Institutionen.

Es gab eine (Un-)Kultur des Schweigens und der Scham, die die Frauen hinderte, ihre Stimme zu erheben, sie ihrer Stimme beraubte. Wer gegen das Schweigekartell aufbegehrte, wurde als Mitverantwortliche oder als Flittchen denunziert. Männer, die ihre Machtposition ausnutzten, konnten darauf hoffen, dass niemand den Frauen glauben würde. Das hat sich grundlegend geändert, vor allem weil die Opfer nicht mehr schweigen, selbst wenn die Ereignisse Jahre zurückliegen.

„Nur ein kleiner Prozentsatz der Vergewaltigungen kommt überhaupt zur Anzeige, und nur ein kleiner Prozentsatz der angezeigten Vergewaltigungen führt dann zu einem Schuldspruch. Nicht dass einige wenige mit deutlicher Verspätung für ihre früheren Verbrechen zur Verantwortung gezogen werden, ist an den prominenten Fällen so wichtig. Wichtig ist die Botschaft, die sie aussenden: Das Zeitalter der Straffreiheit ist vorbei“ (Rebecca Solnit).

Der Text stammt aus dem Essayband „Die Mutter aller Fragen“, aus den Kapiteln „Schweigen: die Käfige“, „Ein aufständisches Jahr“ und „Die Mutter aller Fragen“. Die Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel „The Mother of All Questions“ im Verlag Haymarket Books, Chicago (Copyright © 2017 by Rebecca Solnit). Die deutsche Ausgabe erschien 2017 bei TEMPO. TEMPO Bücher erscheinen im Hoffmann und Campe Verlag (Copyright © 2017 Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg).

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