Das Kollektiv gilt als interessantester Act aus der hippen Szene um den Londoner Windmill-Club. Frei flottierende Texte – und Musik zwischen den Stühlen. Von Christian Schachinger.

Isaac Wood hat möglicherweise 99 Probleme. Selbstüberschätzung zählt sicher nicht dazu. Der junge studentische Twen zählt mit dem siebenköpfigen Londoner Bandkollektiv Black Country, New Road zum derzeit höchstgehandelten neuen Alternative-Act Großbritanniens. Von der Presse wird er geradezu in den Himmel gelobt. Die Stimme einer Generation?

Das Erfolgskonzept könnte unter anderem darin begründet liegen, dass sich Isaac Wood in der Öffentlichkeit gern selbst schlechtmacht und sein Licht, nun ja, unter den Teppich kehrt. Das Publikum liebt es, wenn sich jemand stellvertretend als Loser inszeniert.

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Es geht um die Inszenierung oder auch Verdichtung einer Livesituation mit klassischem Instrumentarium wie Gitarre, Bass, Schlagzeug. Dazu gesellen sich noch Violine, Klavier und Saxofon. Die Musiker wechseln live auch gern die Instrumente. Das kann in achtminütigen Stücken wie Opus oder besagtem Sunglasses dazu führen, dass sich das Septett über ruhige atmosphärische Gitarrenschlieren im Stile von Sonic Youth vortastet zum Krautrock der 1970er-Jahre.about:blank

Dazwischen sind wüste Ausbrüche Richtung Noise und Jazz oder Hotelbarschlurfigkeit möglich, schließlich auch wilder Klezmer. Das alles kann in einem einzigen Stück passieren. So großartig wie fordernd. 99 Probleme. Langweile zählt mit Sicherheit nicht dazu. 

© Der Standard, Kultur, 10.2.2021

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