Das präparierte Piano: Die Hand ist auf den Tasten, der Schlägel steckt zwischen den Zähnen / Irmin Schmidt, Eve Risser, Kris Davis, Ross Bolleter

Die Idee hat einst der Komponist John Cage bekannt gemacht. Unterdessen spielen Musiker aus sehr verschiedenen Traditionen auf einem präparierten Flügel. Auch der Krautrock-Pionier Irmin Schmidt findet so zu neuen Tönen.

Von Christoph Wagner

Der Vorfall war so gravierend, dass er sich tief ins Gedächtnis von Irmin Schmidt eingebrannt hat. «In den frühen 1960er Jahren gab ich gelegentlich Klavierabende mit einem Programm von Mozart bis zu allermodernsten Kompositionen», so erinnert sich der Keyboarder der Krautrock-Gruppe Can, der als Dirigent und Orchesterleiter seine musikalische Laufbahn begann. «Bei einem Konzert kam eine Komposition von John Cage für präpariertes Klavier zur Aufführung, auf die eines meiner eigenen Stücke folgte, bei dem ich meinen alten Remington-Rasierapparat über die Basssaiten des Flügels gleiten liess, was ein irres Geräusch ergab.» Das aber gefiel nicht allen im Publikum: «Ein älterer Herr stürmte schreiend auf die Bühne und schlug mir den Klavierdeckel auf die Hände. ‹Wie können Sie nur›, brüllte er empört, bis ihn der Veranstalter von der Bühne holte.»

Klassik, Jazz, Elektro

Die experimentelle Spielweise, die damals die Gemüter erhitzte, ist heute zur Normalität geworden: Mit kleinen Geräten oder Gegenständen im Innenraum des Flügels Klänge zu manipulieren, wird inzwischen von vielen Pianisten als selbstverständlich erachtet – vom Altmeister Irmin Schmidt bis zu jungen Improvisatoren wie Kris Davis, Kaja Draksler oder Philip Zoubek….

Weiter lesen … !

© NZZ, Feuilleton, 11.4.2019

Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.