Das Filter: Wochenend Walkman vom 7.10.2017 mit Kelela, Ducktails und Marc Almond

Kelela – Take Me Apart

Jam City und Arca sind für einen Großteil der detailverliebten Produktionen verantwortlich und erzeugen eine Tiefe und Komplexität, dank derer sich auf den fünften Hörer immer noch Neues entdecken lässt. Auf Brüche, Wendungen und Unwägbarkeiten kann man sich sowieso verlassen, wenn Arca seine Produktionsfinger im Spiel hat. Klar im Klang und doch undurchdringlich passen sie perfekt zu Kelela am Mic. Denn auch ihr Sopran klang nie klarer, bleibt jedoch ohne jede Schärfe. Augenscheinlich simple Lyrics reißen auf, entblößen innere Zerrissenheit zwischen enttäuschter, verflossener, heißer und neu erlebter Liebe: das Herz im Kampf gegen Kopf und Gegenüber. Ohne Worte – nur großartig.

 

Ducktails – Jersey Devil

Jeder Song ist ein kleines luzides Kunststück. Auf das Wesentlichste reduziert und universell analog. Anders als beim Vorgänger „St. Catherine“ gibt es hier weit mehr Synthesizer, und gerade dessen Arrangements sind nicht bloß die typische Creme obendrauf, sondern arbeiten sich fast kontrapunktisch an den Songstrukturen ab. Ziemlich elegant und dennoch immer Lofi. Es ist wohl jenes fantastische Pop-Album, das Phoenix nicht gelungen ist.

 

Marc Almond – Shadows And Reflections

Auch sein neues Album versammelt Coverversionen: Julie Driscoll, The Yankbirds, The Herd, The Young Rascals. „Orchestrale und barocke Popmusik“ nennt Almond das. Das kann so oder so ausgehen. Ich fürchte eher letzteres. Aber ich bin Almond nicht böse. Denn wenn seine Stimme ganz bewusst einen Viertelton am Orchester vorbeibarockt, bin ich glücklich, auch wenn der Song egal ist. Und auch wirklich schlimme Schnulzen können von ihm wachgeküsst werden. Dann denke ich immer an Frank Sinatra und muss schon wieder ein bisschen weinen.

© Das Filter, Wochenend Walkman,  SOUNDS – Text: Redaktion

 

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