Das Filter. Wochenend Walkman vom 14.10.2017 mit Kaitlyn Aurelia Smith, Alex Christensen & The Berlin Orchestra und Red Axes

Kaitlyn Aurelia Smith – The Kid

Das neue 13 Stücke umfassende „The Kid“ ist nun erneut auf dem Label Western Vinyl erschienen und wie es so oft ist, wird es mit zunehmender Aufmerksamkeit auch hier eindeutiger, sauberer und Feuilleton-tauglicher. Wie Blumberg schon sagte, sie macht zu viel richtig, wahrscheinlich alles. Das gilt natürlich nur für ziemlich niedertourige Underground-Perspektiven und nicht für den Sommerfestival-Mainstream. Nichtsdestotrotz untermauert Smith, dass sie eine großartige Sounddesignerin, Musikerin und auch Künstlerin ist, die wahrscheinlich einen wichtigen Beitrag dazu leistet, dass sich Elektronik nicht bis zum Ende des Jahrzehnts tot läuft. Da gibt es also Hoffnung.

 

Alex Christensen & The Berlin Orchestra – Classical 90s Dance

Also packen sie wie auf Knopfdruck das große Pathos aus, stopfen ihre Ohrstöpsel rein und spielen das runter. Natürlich interessiert sie das nicht, und genauso klingt das Album auch. Wie könnte daraus auch etwas Interessantes werden, wenn du immer im falschen Moment auch noch die falschen Bassdrums einbaust und irgendwelche Sängerinnen castet, die noch nicht mal am Leben waren, als die Tracks damals erschienen? Die armen Streicher, die bemitleidenswerten Hörner. Weißt du eigentlich, dass Guru Josh gestorben ist? Ich hoffe, seine Mama verdient gut an den Coverversions-Tantiemen. Kannst du mir mal die Nummer von den Drummer geben, der bei deinem eigenen Track „Das Boot“ da plötzlich zwischen frequenzoptimierter Bassdrum und Vocoder diesen Breakbeat andeuten muss?

 

Red Axes – The Beach Goths

Dabei macht das Duo aus Tel Aviv nicht den Eindruck, als bemühe man sich um einen besonders sophisticated wirkenden Referenzkatalog, wie das bei derlei Hybriden leider oft der Fall ist. Würde an dieser Stelle aber auch jeder Grundidee von Punk diametral entgegenstehen. Referenzen sind natürlich da, klar, aber ganz uneitel und nonchalant, als selbstverständlicher Teil eines jeden Probenkeller-Jams. Und nicht als musikalische Büste, die, poliert und aufs Podest gestellt, bestaunt werden will. Obwohl das Album mitnichten spiegelt, was elektronische Tanzflächen dieser Tage bewegt, gehören Tracks wie „Tantram Power“, „Shir1“ oder „Talmood“ genau dorthin. Neustart eben – für mehr Jam auf dem Floor. Mit der „Kalacol EP“ hat das Duo vergangene Woche schon nachgelegt.

 

© Das Filter, Wochenend Walkman,  Text: 14.10.2017 • SOUNDS

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