„Wir hoffen auf Frieden und haben immer noch Krieg. Es zerrt an unseren Nerven, schleicht sich in unser Denken, beeinflusst unser Gefühlsleben. Gebt uns Ruhe zur Arbeit, zu schöpferischer Tätigkeit – wir Künstler leiden mehr in dieser zerrütteten Zeit als so mancher andere!“

Der österreichische Komponist Franz Schreker – seit der Premiere der Oper „Der ferne Klang“ 1912 in Frankfurt am Main international bekannt – notiert diese Zeilen während des Ersten Weltkriegs und schreibt in diesen schwierigen Zeiten seine Kammersymphonie. Uraufgeführt im März 1917 in Wien – der Erlös fließt in den Kriegshilfefonds -, ist das fast halbstündige Werk ein überaus raffiniertes, zukunftsweisendes Klangfarbenspiel.

Brillante Farbigkeit kennzeichnet auch das Oeuvre von Olivier Messiaen, der sein kleinbesetztes Klavierkonzert „Couleurs de la cité céleste“ durch Verse aus der Offenbarung des Johannes grundiert und die dort erwähnten Farben synästhetisch in prismatische Klänge verwandelt. Das Klavier-Solo „L’Alouette Lulu“ ist der Lerchen-Teil von Messiaens Klavierkonzert „Catalogue d’oiseaux“ mit Stimmen von nahezu 50 Vögeln aus Asien, Süd- und Nordamerika. Angesichts der andauernden Naturzerstörung – womöglich sind schon einige Arten ausgestorben – bildet das in den 1950er Jahren notierte Werk einen „musikalischen Zufluchtsort“ (Pierre-Laurent Aimard). Einen ähnlichen Fluchtgedanken durch und mit Musik, gleichwohl mit ganz anderen künstlerischen Mitteln, verfolgt Nino Rota mit seinen Werken, ob für Film oder Bühne: die Klangwelten des 18./19. Jahrhunderts haben für ihn nichts an Gültigkeit verloren, sie schaffen Geborgenheit.

Das Konzert ist im Flac Format und ein wenig groß geworden. Deshalb habe ich es auf die Magenta Cloud ausgelagert.

© HR 2, Konzertsaal, 17.1.2021

Pierre-Laurent Aimard, Klavier
hr-Sinfonieorchester
Leitung: Stefan Asbury

Nino Rota (1911-1979): Konzert für Streicher (1964/65)
Olivier Messiaen (1908-1992): „Couleurs de la cité céleste“ (1955/56) für Klavier solo, 3 Klarinetten, 3 Xylos, Blechbläser und Schlagzeug
Olivier Messiaen (1908-1992): L’Alouette Lulu für Klavier solo
Franz Schreker (1878-1934): Kammersymphonie in einem Satz (1917) für 23 Soloinstrumente

(Aufnahme des Forum N-Konzerts vom 19. November 2020 im hr-Sendesaal, Frankfurt)

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