Es ist, als hätte man von Roman Haubenstock-Ramati als Komponist ebenso wie als Kompositionslehrer maßgeblich für die jüngere Musikgeschichte, immerhin zählten zu seinen Schüler/innen in Wien Beat Furrer und Peter Ablinger ebenso wie Mayako Kubo, Thomas Pernes, Bruno Liberda.

Es ist, als hätte man trotzdem kaum je ein Werk für großes Orchester von ihm gehört, wenn man Haubenstocks Wirkungsgeschichte mit der des georgischen, 1996 verstorbenen Komponisten Mikheil Shugliashvili vergleicht.
Shugliashvili setzte Maßstäbe strukturellen Denkens in der zeitgenössischen Musik, gründete auch das erste Studio für elektronische Musik in Georgien, und hatte dennoch mit einem Umfeld zu kämpfen, das manch größer dimensionierte Uraufführung einfach verunmöglichte.

Im Rahmen des Ö1-Schwerpunktes „nebenan Erkundungen in Europas Nachbarschaft“ ist dieser Komponist in unser Radar geraten. Großartige Orchesterstücke aus den 1970er Jahren sind bis heute noch nicht einmal publiziert, geschweige denn uraufgeführt. Das ORF musikprotokoll lässt nun Orchesterstücke erstmals verlegen und korrigiert gemeinsam mit dem RSO Wien und Dirigent Ilan Volkov diesen Missstand. Neben Werken von Roman Haubenstock-Ramati und Mikheil Shugliashvili erklingen in diesem exquisiten Konzert noch Werke von jüngeren Komponist/innen, die allesamt aus „Europas Nachbarschaft“ stammen und deren Werke für das RSO Wien als Uraufführungen sogar Auftragswerke des musikprotokoll sind: Musik des marokkanischen Komponisten Brahim Kerkour, der weißrussischen Komponistin Oxana Omelchuk.

Zur Wiederentdeckung des georgischen Komponisten Mikheil Shugliashvili trägt ein weiterer Programmpunkt bei: Die zwei georgischen Pianistinnen Tamriko Kordzaia und Tamara Chitadze spielten gemeinsam mit ihrem Schweizer Kollegen beim musikprotokoll 2019 die österreichische Erstaufführung eines außergewöhnlich sogkräftigen, knapp einstündigen Stückes für drei Klaviere aus Mitte der 1970er Jahre. ©(Christian Scheib)

ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Dirigent: Ilan Volkov. Tamriko Kordzaia, Tamara Chitadze und Stefan Wirth, Klavier.

Mikheil Shugliashvili: Polychronia (1978; Uraufführung)

Oxana Omelchuk: Harmoniemusiken (2019; Uraufführung) 

Brahim Kerkour: Volve (2019; Uraufführung) 

Roman Haubenstock-Ramati: Tableau 1 (1967) 

Mikheil Shugliashvili: Große Chromatische Fantasie (Symphonie) für drei Klaviere (1974/1976-78)

aufgenommen am 5. Oktober im Stefaniensaal bzw. im Saal Steiermark des Grazer Congress

© Ö1, Das Ö1 Konzert, 11.10.2019

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