„Cool in Paris“ Der Pianist René Urtreger

Als René Urtreger Mitte der Fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in der Pariser Jazzszene in den Clubs von St. Germain-des-Prés auftauchte, setzte er einen zurückgenommenen Ton, der nahtlos an den neuen, coolen Klang des Jazz aus den Staaten anschloss.

Mit Stefan Hentz

Urtreger, Sohn von jüdischen Immigranten aus Polen, dem die Nazis die Mutter raubten, als er 10 Jahre alt war, wurde bald zu einem der bevorzugten Pariser Spielpartner all der Großen, die aus dem Mutterland des Jazz auf Tournee durchreisten. Er spielte mit Don Byas, Buck Clayton, J. J. Johnson, tourte mit Lester Young und Stan Getz und nahm einige Züge zu viel von diesem toxisch unterlegten Lebensstil. Mit seinem Quartett spielte er im Dezember 1957 zusammen mit Miles Davis den Soundtrack zu Louis Malles „Fahrstuhl zum Schafott“ ein, doch irgendwann holte ihn die Sinnfrage ein. Urtreger verschwand aus der Jazzwelt, genoss Plüsch und Pop an der Seite von Sacha Distel oder Serge Gainsbourg – und stürzte ab. Nun ist der Pianist wieder da, er ist 83 Jahre alt und hat nichts mehr zu beweisen. Doch da steht noch eine Rechnung offen, mit diesem Jazz, dem er nun endlich gerecht werden will. Stefan Hentz hat sich mit einem Musiker unterhalten, der mit sich, seinem coolen Swing und der Welt im Reinen ist.


© WDR 3, Jazz & World, 15.12.2017

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