Re-Releases / Wiederveröffentlichungen haben für mich oft einen faden Beigeschmack. Geht es hier um den kostengünstigen Backkatalog? Oder werden hier viel gesuchte Meisterwerke wieder ans Licht und an die Ohren der Hörer gebracht ?

Es war Jon Hassel’s Idee einer „Fourth World“ und dieser wurde Anfang der 80er Jahre ein Markenname für Projekte um Brian Eno und Jon Hassel. Fouth World Vol. 1 – Possible Musics wurde ein großer Erfolg und gilt als Meilenstein der Ambient-World Musik und Jon Hassell fand eine große Aufmerksamkeit. Wovon auch seine vorherigen Werke profitieren konnten.

Musikalisch Interessanter wurde es in der Zusammenarbeit mit Farafina. Das Percussion- und Tanzensemble aus Burkina Faso wurde zur perfekten Begleitung für die langen und sphärischen Trompetenklänge von Jon Hassell. Zusammen waren sie auch auf mehreren Festivals zu Gast. Aber wie klingt das ganze Heute, gut 30 Jahre später und hat es immer noch diese Faszination? Eine Zeit lang erlag ich der Mischung aus Wiederhören, Erinnern und erfreute mich am besseren Klang, war es doch zu seiner Zeit eine sehr wichtige Platte.
Aber meine veränderten Hörgewohnheiten werden zum Prüfstein, dem diese „alte Musik“ nicht standhält.
Für die Fans wird es wohl eine Offenbarung sein, für mich eher nicht.

Ganz im Gegensatz zu David Shea und seinem „Tower Of Mirrors“.
Der praktizierende Budhist Shea vertonte aus einem der wichtigsten Werke China’s „Die Reise in den Westen“ den Auszug „Die Geschichte des Affenkönigs“. Das Label Sub Rosa spricht von einen „kraftvollen Stück als komplexe philosophische narrative Audiocollage“.
Zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung von 1995 war dieses Werk seiner Zeit schon weit voraus und gilt als das Meisterwerk von David Shea. Was er im übrigen selbst so sieht.
Unter der Mitarbeit von David Morley (R&S) Analoge Synthesizer Programmierung, Dave Douglas: Trompete, Zeena Parkins: Klavier und & Präpariertes Klavier, Jim Pugliese: Perkussion, entstand in 2 Jähriger Arbeit ein komplexes und visionäres Werk das auch heute nichts von seiner Wirkung und Faszination eingebüßt hat.

Rückblickend zu dieser Veröffentlichung schreibt David Shea:
„I’m reflecting today on the period of my life where I was immersed in the Chinese mythological Taoist/Buddhist stories of the Monkey King – Sun Wu Kung – titled, in English, The Journey to the West. I was also lost in sea of Hong Kong films and living in New York working in many of John Zorn’s projects (Elegy being one of many high points) and just beginning my own tours in Europe and with Sub Rosa. Tower of Mirrors became a defining cross into to the last 20 years of my life. I felt thrown into the ethersphere during the years of 94 95 myself and I could not be more grateful to have created during and survived that time. I collaborated with so many during my travels and the credits are full of the people I was so lucky to have crossed paths with. I began a different path soon after this, with my interest in exploring Italian and Irish roots and reflecting on my teenage years of studying Taoism, Chan Buddhism, meditation and martial arts and what followed was a long period of influence from Giacinto Scelsci and Luc Ferrari to traditional Chinese and Buddhist musics. Enjoy and explore the references and connections I wanted to share then and now. — David Shea, August 2019

6 Comments

  1. Das finde ich spannend, was Du da schreibst. Für mich sind beide Künstler wichtig. Hassell habe ich durch Karl Lippegaus kennengelernt, Shea durch John Zorn. Ich hatte das Glück Shea in den 90ern zu entdecken, als seine ersten CD’s erschienen. „Shock Corridor“ die erste CD, die ich von Shea hörte, und ist für mich nach wie vor die eindrücklichste. „The Tower of Mirrors“ war die damals eingängigste, ich habe sie dutzende Male gehört, und geliebt! – Später mehr…

    Lucky
  2. „Shock Corridor“ ist Shea’s debut-CD auf John Zorn’s japanischem Label Avant. Er ist von Samuel Fuller’s gleichnamigem Film inspiriert, der ebenfalls sehr zu empfehlen ist. Von Shea’s CD’s auf Sub Rosa fand ich „i“ und „Prisoner“ umwerfend – keine leichte Kost, da Shea sehr viel mit Neuer Musik spielt.

    Shea’s Sample-Quellen habe ich über die Jahre ausgelotet, und die Früchte in einer Kompilation zusammengetragen:
    https://oranglucky.blogspot.com/2016/07/013.html

    „Hier ist eine Sammlung von Originalstücken, aus denen New Yorker Komponist und Sampling-Künstler David Shea ausgiebig für die Verwendung seiner ersten Alben gesampelt hat. Die meisten dieser Stücke haben extreme Stereobilder und sollten am besten entweder über richtig platzierte Lautsprecher oder mit Kopfhörern gehört werden.“

    Lucky
  3. Es geht mir mit John Hassel ähnlich, wie mit einigen anderen frühen „weltmusikalischen“ Experimenten.
    Eberhard Schöners „Bali Agung“ z.B., hat meine lebenslange Liebe zum Gamelan begründet, die LP selber ist heute durchaus unter dem Aspekt „Kulturkolonialismus“ kritisch zu sehen.
    Was Hassels Zusammenarbeit mit Eno ( und Byrne) betrifft, Karl Lippegas hat (auch) dazu ein interessantes Interview geführt:

    https://www.nrwjazz.net/diary_of_jazz/2014/Jon%20Hassell%20Karl%20Lippegaus/

    Danke lieber Lucky, für die Quellensammlung zu Shea. Auch mir macht es mittlerweile oft Spass, zu den Quellen zu gehen, die Originale zu finden.
    Dazu drei Empfehlungen:
    „Uproot: Travels in 21st-Century Music and Digital Culture“ von Jace Clayton“, sehr Erhellendes zur Musik in der vernetzten Welt.

    Die neue „Norient“-Site : https://norient-beta.com/ (wird zur Zeit neu konfiguriert.)

    Dann die wunderbaren Podcasts von Chris Cutler:
    https://rwm.macba.cat/en/buscador/radio/serie/probes-9468?sort=date&order=asc

    Einen schönen Sonntag Euch allen,
    Pling-Plong

    Pling-Plong

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