CD TIPP: Matana Roberts – COIN COIN Chapter Four: Memphis (Constellation Records) / Kulturforum

Die erste Veröffentlichung mit der Matana Roberts für ein weltweites großes Aufhören sorgte war „COIN COIN Chapter One“. Der Beginn einer 12 teiligen Serie. Lange waren sich die Jazzfans auf der ganzen Welt nicht mehr so einig: Das ist eine große neue Stimme die uns viel zu erzählen hat. Seit dem 18.10.2019 ist der 4. Teil erscheinen und diesen hat sich Gerhard ( Kulturforum) genau angehört und hiermit gebe ich an ihn ab.

 

Machen Sie bitte nicht den Fehler, nach den ersten, schwer verdaulich lärmenden Saxophon-Tönen befremdet die „Aus“-Taste zu drücken, es würde Ihnen wahrscheinlich eine der schönsten und reichhaltigsten Hörerfahrungen des Jahres – und damit Essentielles – entgehen. © Gerhard Emmer 

Matana Roberts entwirft ein gigantisches Patchwork-Panorama an Episoden und Statements im sich entladenden Cut-Up-Redeschwall, individuell in Zitaten und Anekdoten aus ihrer eigenen Vita, auf einer Meta-Ebene im Anstimmen uralter, anrührender Gospel-Chöre, mit wütendem Ausbruch wortloser Lautmalereien, im expressiven Spoken-Word-Rausch, dem Proto-Rap eines Gil Scott-Heron bisweilen nicht unähnlich. Wo sich die artikulierte Botschaft improvisiert und stilistisch unbegrenzt freie Bahn bricht, steht ihr tonales Vehikel dahingehend in nichts nach: Experimentelle und komplexe, Hörgewohnheiten bereichernde Klanginstallationen und Songs, von wild lichterndem, atonalem Jazz-Noise über Folk-Crossover inklusive irischer Fiddle-Tunes bis hin zu zeitlosen Ur-Blues- und Afrobeat-Anklängen, Brass-Band-Herrlichkeiten und avantgardistischen Kompositionen im neoklassischen Experiment.
Der bisher veröffentlichte Zyklus wie jeder einzelne Tonträger der Serie sind faszinierende Gesamtkunstwerke, die in der weiten Welt der populären und experimentellen Musik mit wenig bis nichts anderem vergleichbar sind. Die denkbar weit gefassten Grenzen des Free Jazz sind für die Musikerin, Feldforscherin und Aktivistin Roberts ein viel zu enges Korsett für den herausragenden Großwurf an musikalischer Inspiration, thematischer Komplexität und inhaltlicher Radikalität, der dieses Konglomerat zu einem multimedialen, sozial- und kulturhistorischen Zeitdokument, zum „living artifact of collective cultural memory“ gedeihen lässt.© Gerhard Emmer 

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