Es ist wohl die Zeit der Pianisten:innen. Vor Gabriella Smart hörte ich schon James Rushfords Interpretationen von Mompous „Música Callada“. Und dazu wollte ich schon vorher etwas schreiben. Da habe ich mich wohl verschätzt. Ich behaupte mal, dass niemanden die Musik von Mompou und insbesondere seine „Música Callada“ (Musik des Schweigens) kalt oder unberührt lässt.
Doch wer ist dieser Frederico Mompou?

Federico Mompou wurde 1893 in Barcelona geboren. Seine musikalische Begabung wurde früh erkannt und gefördert. Er nahm zunächst Unterricht am Konservatorium seiner Heimatstadt und ging 1911 nach Paris, um dort Klavier und Komposition zu studieren. Die Karriere als Pianist gab er später zugunsten des Komponierens aber weitgehend auf, sein bevorzugtes Instrument blieb aber das Klavier. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte Mompou nach Barcelona zurück, wo seine ersten Klavierwerke entstanden. 1921 ging er wieder nach Paris. Es entstanden nur wenige kleine Klavierstücke und Lieder in dieser Zeit. 1941 zog er wieder nach Barcelona und er komponierte wieder. In dieser Zeit enstanden seine bekanntesten Werke wie der Liedzyklus „El combat del somni“ nach Sonetten des katalanischen Dichters Josep Janés, und von 1959 bis 1967 erschienen die vier Bände der Música callada, seines Hauptwerkes.

James Rushford

Der Australier James Rushford ist Pianist und Komponist. Seine Werke wurden von wichtigen Orchestern und auf zahlreichen Festivals aufgeführt. Als Pianist steht er auch für Grenzüberschreitungen und arbeitet u.a. mit Michel Pisaro, Jon Rose, Oren Ambarchie, Klaus Lang, Kassel Jaeger zusammen.

Ich habe mir verschiedene Texte zu Veröffentlichungen von Frederico Mompou durchgelesen. Immer wieder wird seine Nähe zu Erik Satie betont, der lieber keine Note spielt, als eine zuviel.

„Music is written for the inexpressible, it should seem to come out
of the shadow in order to move back into the shadow.“ (Musik ist für das Unaussprechliche geschrieben, sie sollte aus dem Schatten herauszukommen, scheinen, um wieder in den Schatten zu treten.)

Frederico Mompou

Der Pianist Adolf Pla hat für die Veröffentlichung von Volodos plays Mompou einen sehr lesenswerten Text geschrieben. Ich zitiere daraus:

„Diese Musik hat weder Luft noch Licht. Sie ist ein schwaches Pochen des Herzens. Man bittet sie nicht, sich weiter als einige Millimeter im Raum auszubreiten, denn ihre Aufgabe ist es, in die tiefsten Tiefen unserer Seele und in die geheimsten Regionen unseres Geistes vorzudringen.“
Oder:

„Ich denke die Musik nicht, ich übermittle sie nur, ich habe ein reines Gewissen.“

Frederico Mompou

Seit 2016 spielt James Rushford die Musik von Mompou. Mit jedem spielen verändert sich die Interpretation.
Aus der Arbeit und der Auseinandersetzung mit dem Werk von Mompou entstanden die Stücke von „See The Welter“. Sehr farbenreich hat James Rushford in seinen Text beschrieben wie sich die Stücke von Mompou und seine eigen verweben. So ist „See the Welter“ eine fortführung durch den Komponisten und Pianisten in unsere Zeit, sie erfährt eine Transformierung. In diesem Zusammenhang finde ich seine Formulierung eines Schattens von Mompou der sich durch sein Stück zieht, womit er die Präsenz des Komponisten meint, die für ihn spürbar ist. Viele Pianisten formulieren das als „den Komponisten auf den Schultern sitzen haben“.

„Während ich diese Werke weiterhin zusammen spiele, ist diese Querfärbung für mich zunehmend verwirrend geworden und wirft die Frage auf, wie ein Werk sich selbst auf den Interpreten und seine Zuhörer projiziert. Ob diese zutiefst persönliche Erfahrung des Schattens auf den Zuhörer übertragen werden kann oder nicht, ich hoffe, dass in dieser Aufnahme eine weitere, verborgene Tiefe und Energie – ein lebendiger Rest – spürbar wird, der in der luft- und lichtlosen Atmosphäre der mompous silent music schwebt.“

James Rushford

released October 16, 2020

Liner notes by Tim Rutherford-Johnson, Michael Pisaro, James Rushford
Recorded by Anthony Pateras at Akademie Schloss Solitude, Stuttgart, July 2018.
Mixed by Joe Talia, Tokyo 2019.
Cover art by Lou Beach, DARWIN (POSTCARDS FROM ’THE BEAGLE’)
Type and layout by D. Norsen
Mastering by Stephan Mathieu
Special thanks to Akademie Schloss Solitude, Pia Borg, California Institute of the Arts, Samuel Dunscombe, Judith Hamann, Lawrence Kumpf, Tommy McCutchon, Manuel Pessôa de Lima, Anthony Pateras, Michael Pisaro, Vicki Ray, Sara Roberts, David Rosenboom, Tim Rutherford- Johnson, Cedric Tai, Joe Talia and Rachel Yezbick.

Für mich ist diese Veröffentlichung ein willkommener Anlass sich wieder mit Mompou und seiner Musik zu beschäftigen. Auch im Vergleich zu der Interpretation von Volodos und anderen. Rushfords Interpretation der „Música Calladaist von einer großen emnotionalen Tiefe geprägt, mit viel Raum und Zeit, das noch lange nach klingt. Es ist faszinierend in „See the Welter“ Mompou zu ahnen, zu erspüren und ein Teil dieser Musik zu werden.
Das ist nichts was man nebenbei hört. Das hier ist eine Erfahrung. Ein Eintauchen, ein Aufgehen in eine unwirkliche Landschaft. Eine unbedingte Empfehlung
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