Es mutet seltsam an wenn ich diese Musik heute höre. Ich selber hatte damals nie eine Kassetten von Ihnen in den Händen gehalten. Über meine Kontakte in Karl Marx Stadt hatte ich allerdings schon davon gehört und auch der Name „Die Gehirne“ war mir bekannt. Nur Musik hatte ich nie von Ihnen gehört. Bei der geringen Stückzahl Ihrer selbst Produzierten Kassetten war das kein Wunder und im Radio lief diese Musik nie.

Jetzt, 30 Jahre später, kann ich Ihre Musik hören. In einer Mischung aus Staunen, Erheiterung und einen gewissen Erinnern. „Die Gehirne“ sind im Kern Claus Löser und Florian Merkel und als Gäste kommen Holger Weise & Felicitas Jackisch, Steffen „Gullymoy“ Geißler hinzu.

Robert Mießner und Henryk Gericke haben hierzu sehr aufschlussreiche Texte geschrieben. Welche einerseits die DDR Szene und die von Karl Marx Stadt beleuchten, sowie die damaligen Produktionsverhältnisse. Wenn man das so überhaupt so bezeichnen kann. Diese lohnen sich sehr!

Die der Gehirne beginnt mit einer Pioniertrommel und einem Souvenir aus der  Kriegsgefangenschaft von Lösers Vater: einer Wandergitarre, elektrifiziert nach einer Anlei-
tung aus der Zeitschrift „Jugend & Technik“. Der erste Probenraum der Gehirne war Merkels Kinderzimmer. Die Stadt jenseits davon erschien als eine Art Miniatur-DDR-Kondensat – was sowieso schon schlimm war, war hier noch schlimmer…. Da sind an Freiform-Punks wie This Heat angelehnte, scharfkantige Instrumentals, Noise-Eklats und Klopfzeichen. „Für Lou“ verweist auf Velvet Underground und ein Gitarrenfeedback Lou Reeds. Merkel hatte es während seines Studiums an der Hochschule für Grafk und Buchkunst Leipzig bei einem Kommilitonen gehört, sein Name: Tibor Zátonyi von den ungarischen Konzeptpunks Spions. Wo Die Gehirne sangen, taten sie das mit literarischer Afnität zu den Unbehausten des 20. Jahrhunderts. Mit „Ich schenk dir …“ hat das Tape sogar einen heimlichen Hit zu bieten, eine Vertonung des russlanddeutschen Dichters Dominik Hollmann // Robert Mießner


Die Underground-Tape-Szene der 1980er Jahre funktionierte in den beiden Sound-Systemen Ost und West ähnlich, doch grundverschieden. In Westgermany wie auch in Ostdeutschland produzierte man für einen Zirkel Gleichgesinnter und weitgehend nonkommerziell, die einen bewußt am Markt vorbei, die anderen ohne eine Vorstellung vom Markt. Ideentechnisch bestanden zwischen den Klangwelten durchaus Brücken, doch die produktionstechnischen Bedingungen leiteten sich jeweils aus den getrennten Ideologiekreisläufen zweier Welt-Ismen ab. // Henryk Gericke

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Die Gehirne Bandseite

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