Kamaal Williams veröffentlichte einst Clubmusik, heute spielt er Jazz. Seine zweite Platte „Wu Hen“ klingt ganz danach. Aber warum? Unser Autor hat bei dem UK-Musiker nachgefragt.

Alles an „Wu Hen“, dem zweiten Studioalbum von Kamaal Williams, schreit „Neues Britisches Jazzwunder“: Der spirituelle Ton, die Einflüsse aus der UK-Bassmusik, die Ahnenlinie zur Siebziger Funkfusion. Alles – nur nicht der Künstler selbst. „Diese Londoner Jazzszene hat nichts mit mir zu tun,“ sagt der 32-Jährige Keyboarder und Produzent im Interview leicht genervt. „Ich kenne die ganzen Leute auch gar nicht. Ich mag Jazz, mein Vater hat mir die Klassiker vorgespielt. Aber ich komme aus einer ganz anderen Ecke, nämlich der elektronischen“.

Tatsächlich veröffentlicht Williams schon seit den frühen Zehnerjahren als Henry Wu Clubmusik. Den Jazz, sagt er, habe er sich vor allem aus frühen HipHop-Samples und Acid-Jazz-Bands erarbeitet. In den Club-Produktionen hört man das als jazziges Flair von stimmungsvollen Keyboardschüben und komplexen Drumbeats, die insgesamt den Kern seiner Ästhetik bestimmen. „Angefangen habe ich als Drummer. Aber es gab einfach so viele bessere Leute in London“, erzählt er über seine Zeit am College, wo er Musikproduktion studierte. „Deshalb habe ich mich dort auf die Keyboards konzentriert. Ich habe gemerkt, dass man sie im Grunde wie Percussion spielen kann, nur mit Melodie.“…

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© Berliner Zeitung, Kultur, Kultur, 22.7.2020

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