Elias Canetti hatte neben seiner Ehefrau Veza, die er eher aus Freundschaft geheiratet hat, ständig irgendwelche Geliebten. Die unglückliche Veza öffnet ihr Herz dem jüngsten Canetti, ihrem Schwager Georges. Der wiederum fühlt sich mehr zu Männern hingezogen. 

Aus Wien und später aus dem Londoner Exil gehen heimliche „Briefe an Georges“. Unabhängig voneinander schreiben Veza und Elias ihm nach Paris. Sie berichten über Liebesaffären, Eskapaden, Wahnsinnsanfälle und Depressionen, mit denen beide zu kämpfen haben. Gemeinsam ist ihnen die Sorge um den an Tuberkulose erkrankten Georges. Der bewahrt die Korrespondenz sorgfältig auf, ist selbst aber eher schreibfaul. In seinem Nachlass wurden ca. 400 Briefe gefunden.

Briefe an Georges
Von Veza und Elias Canetti
Bearbeitung und Regie: Ulrike Brinkmann
Mit: Gottfried Breitfuß, Gudrun Gabriel, Hans-Werner Meyer
Ton: Andreas Narr
Produktion: Deutschlandradio Kultur 2006

Elias Canetti, 1905 als Kind spanisch-jüdischer Eltern in Rustschuk (heute: Russe, Bulgarien) geboren, gestorben 1994 in Zürich, wuchs vielsprachig in Bulgarien, Manchester, Lausanne, Wien, Zürich und Frankfurt auf, studierte in Wien Chemie, promovierte zum Dr. phil. und emigrierte 1938 nach London. Der Romancier, Essayist, Naturwissenschaftler, Kulturphilosoph und Dramatiker wurde 1981 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet sowie 1972 mit dem Georg-Büchner-Preis. Hörspiele u.a. „Die Befristeten“ (WDR 1966, Rundfunk der DDR 1984), Bearbeitungen: „Die Blendung“ (NDR/DLR Berlin/BR/ORF 2002), „Party im Blitz“ (Deutschlandradio Kultur 2005), „Briefe an Georges“ (Deutschlandradio Kultur 2006), „Die Blendung“ (BR/ORF 2013).

Veza Taubner-Calderon, verheiratete Canetti (1897–1963), Autorin und Übersetzerin. Neu herausgegebene Romane u.a. „Die gelbe Straße“ (1990), „Geduld bringt Rosen“ (1992), „Die Schildkröten“ (1999).

Georges Canetti (1911–1971), Tuberkuloseforscher, Vizepräsident des Institut Pasteur (Paris).

(c) Deutschlandfunk, Hörspiel, 21.6.2020

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