Boris Vian war ein Multitalent: diplomierter Ingenieur und Jazztrompeter, Chansonnier und Romanautor, der Skandale auslöste. Sein Chanson von 1954 „Le déserteur“ über einen Kriegsdienstverweigerer, durfte 12 Jahre nicht im Radio gespielt werden.

Eine neue Musik drückte einer neuen Epoche ihren Stempel auf. Boris Vian, geboren am 10. März 1920, ein Jugendfreund des Geigers Yehudi Menuhin, gründete mit seinen beiden Brüdern eine Amateur-Jazzband und wurde 1937 Mitglied des Hot Club de France. Fünf Jahre später schloss er sich der Band von Claude Abadie an, mit dem er als Trompeter zahlreiche Konzerte gab und Preise bei Amateurfestivals gewann.

Boris Vian, dessen Vater ein wohlhabender Frührentner und dessen Mutter Amateurpianistin war, entpuppte sich als erstaunlich multitalentiert. Er war diplomierter Ingenieur und wurde Erfinder, er schrieb Romane, die Skandale auslösten, Erzählungen, Gedichte, Chansons und viel über Jazz. Sein Chanson „Le Déserteur“ über einen Kriegsdienstverweigerer, durfte zwölf Jahre nicht im Radio gespielt werden. Der bekannteste Roman „Der Schaum der Tage“ befasste sich mit dem Existenzialismus seines Freundes Jean-Paul Sartre.

Wahrer Jazz und unglaublicher Schaffensdrang

Auf Anraten seiner Ärzte gab Boris Vian das aktive Musizieren auf und trat 1947 der Redaktion der Zeitschrift Jazz-Hot bei. Im Oktober 1955 ernannte ihn die Plattenfirma Philips zum künstlerischen Direktor, mit dem Auftrag, einen Jazzkatalog aufzubauen; er sollte die amerikanischen Veröffentlichungen beurteilen und die besten herausbringen. Er grub nicht nur verlorene Schätze der amerikanischen Archive aus und produzierte Jazzsendungen aus Paris für den US-Sender WNEW. Stets hatte Boris Vian die Unterscheidung zwischen wahrem Jazz und seinen kommerziellen Gegenstücken im Blick. Er bestand darauf, „nicht die Handtücher mit den Servietten zu verwechseln.“ Durch die Serie „Jazz pour tous“ wollte er diese Musik populärer machen. Für Philips überwachte er sechs Sessions mit französischen Musikern und die Entstehung von zwei Filmmusiken, darunter die berühmte Tonspur von Miles Davis zu Fahrstuhl zum Schafott von Louis Malle im Dezember 1957. Er wusste, dass er nicht lange zu leben hatte und entwickelte einen unglaublichen Schaffensdrang. Am 23. Juni 1959 starb Boris Vian, bei der Filmvorführung seines Romans „Ich werde auf eure Gräber spucken“.


© NDRInfo, Jazz Special, 6.3.2020

Am Mikrofon: Karl Lippegaus
TitelBesetzung / InterpretPlattenfirmaCD Obertitel
Rock des petits caillouxMagali NoëlFrémeauxBoris Vian et ses interprètes
J’suis snobMouloudjiFrémeauxBoris Vian et ses interprètes
C’est le be bopHenri SalvadorLe Chant du MondeSiècle d’or – Chansons réalistes
à propos du créateurBoris VianDisques Jacques CanettiBoris Vian, 1er volume
Fais-moi mal, JohnnyMagali NoëlLe Chant du MondeSiècle d’or – Chansons réalistes
Improvisation (1937)Django ReinhardtEMI Music FranceDjangologie 3 – 1937
Introduction de l’orchestre de Boris VianBoris Vian et son orchestre du TabouI.N.A./mémoire viveInédits Radio
On n’est pas là pour se faire engueulerBoris VianFrémeauxBoris Vian et ses interprètes
Boris Vian commentaireBoris VianI.N.A./mémoire viveInédits Radio
Love’s in my heartRex Stewart and his 52nd Street StompersRCA BluebirdThe Ellington Small Bands: Backroom Romp
39º de fièvre (Fever)Simone AlmaFrémeauxBoris Vian et ses interprètes
Je n’peux pas travaillerHenri SalvadorLe Chant du MondeHenri Salvador chante Boris Vian
Alabama SongCatherine SauvageFrémeauxBoris Vian et ses interprètes
Complainte du progrèsBoris VianFrémeauxBoris Vian et ses interprètes
Nuit sur les Champs-Élysées (take 4)Miles DavisUniversal Music FranceAscenseur à l’échafaud
Le Tabou, annonce et présentationBoris Vian et son orchestre du TabouI.N.A./mémoire viveInédits Radio
Le TabouRadiosprecherI.N.A./mémoire viveInédits Radio
NuagesDjango ReinhardtEMI Music FranceDjangologie 18
Le Petit CommerceBoris VianFrémeauxBoris Vian et ses interprètes

 

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