Mit seinen klar konturierten Linien auf dem Altsaxofon schuf er ein neues Spielideal. Lee Konitz entwickelte einen einzigartigen Ton auf dem Instrument, vertraute der Intuition und suchte das musikalische Abenteuer.

Dabei erwies er sich nicht als Bilderstürmer, sondern eher als ein sanfter Erneuerer. Bereits Ende der vierziger Jahre entwarf er ein Gegenmodell zu den hitzigen Spielgefechten des Bebop. Lee Konitz zählte zum Kreis um Lennie Tristano wie auch zu den profilbestimmenden Musikern des Miles Davis Capitol Orchestra. Der Titel des damals entstandenen Albums sollte einer ganzen Richtung im Jazz den Namen geben: „Birth of the Cool“.

Genialer Improvisator

Doch Lee Konitz wollte nie auf einen Stil festgelegt werden. Bei seinen Streifzügen durch unterschiedliche Bereiche des Jazz blieb er unverwechselbar. Er spielte mit langjährigen Weggefährten ebenso wie mit Newcomern, arbeitete mit Streicherensembles ebenso wie mit Big Bands zusammen und gab seine Erfahrungen generös an Musiker jüngerer Generationen weiter. Bis ins hohe Alter hinein erwies er sich als ein genialer Improvisator, der auch Standards immer wieder mit frischen Ideen auszudeuten vermochte.

Lee Konitz starb am 15. April im Alter von 92 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion.


© NDRInfo, Jazzklassiker, 18.4.2020

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