Jeder Amoklauf lässt uns verstört zurück: Wie kann ein Mensch so etwas tun? Wie können wir das verstehen? Doch es gibt Regelhaftigkeiten im Verhalten der Täter. Ihnen spüren Beatrice Faßbender und Ulrich Rübenauer nach.

 

„Wenn man versucht so eine Genese dieser Todesgänge sich anzuschauen, kann man selber sehr lange eigentlich diesen jungen Männern folgen. Also, wenn es um solche Fragen wie Mobbingstrukturen oder Loser-Existenz oder was auch immer geht. Aber wo der Atem aussetzt, wo wir fassungslos sind, ist dieser Moment des Umschaltens und der Entscheidung, und es kann eigentlich nicht anders erklärt werden, wenn es denn um diese Erklärung geht, als dass es wie so einen psychotischen Schub gibt, also eine Art Pathologie, die gleichermaßen dennoch ja immer mit dem spricht, was vorher gewesen ist.“

Ines Geipel, Literaturwissenschaftlerin

Amok, Akt der Überbietung

Amok: Wir blicken fassungslos auf die Bildschirme. Jedes Mal. Und versuchen jedes Mal wieder zu verstehen, was da geschieht. Unser Verstand versagt, wenn wir nach eindeutigen Motiven suchen oder das Geschehen begreiflich machen wollen. Und dennoch zwingen diese Taten zu Erklärungen und Entmystifizierung. Denn fest steht, jeder Amoklauf ist ein wohlkalkulierter Exzess und ein Akt der Überbietung. Er steht in einer Reihe anderer Taten, übernimmt Formen und Bildsprache der Vorgänger und versucht noch eins draufzusetzen. Im Kontrast zu der absoluten psychischen Enthemmung der Täter steht die rationale, fast schon bürokratische oder auch militärische Stringenz und Logik, der die Taten folgen.

Global – heroisch – universal

Amok ist der Ausdruck einer Wut, die sich inzwischen globalisiert hat. Amok bietet jungen Männern Handlungsmodelle, die ihnen erlauben, ihr Unverstandenes auszuagieren. Allmachtsfantasien, faschistoide, sozialdarwinistische Vorstellungen oder Jenseitsversprechen – all das kann in den Gewaltexzessen ausgelebt werden. Amok sagt den jungen Männern: Gerade das perverseste, das abscheulichste Handeln macht uns zu Helden. Das Internet sorgt für den angemessenen Hallraum. Amok sagt auch: Es kann überall passieren. Die Angst ist überall – Ausweitung der Gefahrenzone…

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© Bayern2, Nachtstudio, 4.4.2017

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