„Ausbreitungszone“ erzählt von Ausbrechern aus der „ordentlichen Stadt“ mit ihren „Bioläden als Naturersatz“, von Ausbrechern aus dem Lichtbad im Scheine des Computerbildschirms und aus den Verirrungen der täglichen Höflichkeitsfloskeln.

Von Mariette Navarro

Mariette Navarro skizziert auf poetische Weise die Entfremdung der Großstadtmenschen, die nun im Wald Vieles lernen: „Man wird mit dem allen wieder von vorne anfangen müssen. Dem Jagen, dem Sammeln“, dem Bäumehochklettern, dem Hüttenbauen. Doch möchte der Wald sie überhaupt aufnehmen?
Navarros „Ausbreitungszone“ spürt der Verwandlung der Menschen nach, die mehr und mehr in diesen Wald gesogen werden und die die Zivilisation hinter sich gelassen haben. Was zunächst an die Waldbesetzer des Hambacher Forsts erinnert, ist eine hymnische Utopie einer Gegengesellschaft, in der sich schließlich wie in Skakespeares „Sommernachtstraum“ die Grenze zwischen Wald und Stadt aufzulösen beginnt.

„Es ist Zeit sein Zuhause zu verlassen. Es ist Zeit zu leben.“

Ausbreitungszone (Ursendung)
Von Mariette Navarro
Übersetzung aus dem Französischen: Leopold von Verschuer
Regie: Leopold von Verschuer
Mit: Meike Rötzer, Dorothee Metz, Sylvana Seddig, Bettina Kurth, Tony de Maeyer, Cornelius Schwalm, Matthias Rheinheimer
Komposition: Bo Wiget
Ton: Jean Szymczak
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2020

Mariette Navarro, geb. 1980, ist Schriftstellerin und Dramaturgin. Sie studierte moderne Literatur und Theaterwissenschaft an der Universität von Lyon und der École Supérieure d’Art Dramatique des Théâtre National de Strasbourg. Literarische und dramaturgische Arbeit stehen für sie in einem engen Wechselverhältnis. Sie lebt und arbeitet in Paris. Werke u.a. „Le bal d’Emma“ (2013), „Wir Wellen“ (2014).

© Deutschlandfunk, Hörspiel, 18.10.2020

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