Arvo Pärt ist heute einer der erfolgreichsten Gegenwartskomponisten. Allerdings hat sich der Eindruck festgesetzt, seine Musik sei rückwärtsgewandt, geistlich, tonal, simpel. Autor Ingo Dorfmüller entwirft ein anderes Verständnis des 1935 in Estland geborenen Künstlers.

Tatsächlich hat sich Arvo Pärt im Zuge einer zehnjährigen Schaffenskrise kompositorisch ganz neu zu orientieren begonnen. Seine Musik ist aus allereinfachsten Materialien (re)konstruiert: aus einzelnen Tönen und melodischen Urzellen, bei denen auch die Beschäftigung mit dem gregorianischen Choral eine Rolle spielt.

Daraus aber erwuchs eine Kompositionsmethode, die dieses Material nach ganz eigenen Regeln zu komplexen Texturen verwebt und verdichtet. Dreiklänge spielen eine Rolle – aber die Regeln, denen sie folgen, haben nichts gemein mit tonaler Kadenzlogik. Spirituell ist diese Musik in jedem Takt; geistliche Musik im engeren Sinne sind aber nur die wenigsten seiner Stücke.

Autor Ingo Dorfmüller versucht, Arvo Pärts Musik als Avantgarde zu verstehen. Vier Werke werden dabei von ihm näher betrachtet: „Sarah was ninety years old“ und „Tabula rasa“(1977), die Johannespassion (1982) und das „Miserere“ (1989).


http://xb187.xb1.serverdomain.org/radio/musik/Arvo-Paert-ein-verkannter-Avantgardist.mp3
http://xb187.xb1.serverdomain.org/radio/musik/Arvo-Paert-ein-verkannter-Avantgardist.mp3

© Deutschlandfunk, Atelier neue Musik, 9.1.2021

Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.