Seinen Ausgang nimmt das Hörspiel bei zwei Biografien, die sich 1906 in Białystok kreuzen. In dieser Stadt im heutigen Ostpolen lebte im 19. Jahrhundert eine jüdische Mehrheit. Auf der Straße verständigt man sich gleichzeitig und nebeneinander auf Russisch, Polnisch, Jiddisch und Deutsch.

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg kommt es zu grausamen Pogromen an der jüdischen Bevölkerung. Augenzeugen des Pogroms von 1906 sind ein alter und ein junger Mensch, die für einige Zeit fast gegenüber gewohnt haben: Ludwik Zamenhof und David Kaufmann.

Ersterer wird weltberühmt als Erfinder der Plansprache Esperanto. David Kaufman seinerseits nimmt in Moskau den Namen Dziga Vertov an und gilt als ein herausragender Pionier des Stummfilms und des frühen Tonfilms. Seinem Werk „Der Mann mit der Kamera“ stellt er ein Manifest voran, das auf eine neue, alle Menschen vereinigende visuelle Sprache zielt.

Mit einem Reden und Sehen, das den Menschen zu sich hin und weg von der Gewalt zu führen versucht, spricht sich das Hörspiel in die Gegenwart hinein und denkt nach mit Augen, Ohren, dem Mund, Händen und Gliedern.


Am Rande des Untergangs vergnügt sich das Kapital (Ursendung)
Von Joël László
Regie: Henri Hüster
Mit: Sandra Gerling, Sebastian Hufschmidt, Jirka Zett, Carlo Ljubek, Rafael Stachowiak
Komposition: Florentin Berger-Monit und Johannes Wernicke
Ton: Kay Poppe
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2020

Joël László, geb. 1982 in Zürich, schreibt Theaterstücke und Prosa und arbeitet als Übersetzer. Er studierte Islamwissenschaft und Geschichte und lebte längere Zeit in Kairo. Hausautor am Theater Basel in der Spielzeit 2017/18. Theaterstücke u.a. „Wiegenlied für Baran“ (2013), „Die Verschwörerin“ (2018). Weiteres Hörspiel: „ANTE oder der Thunfisch“ (BR 2019).

© Deutschlandfunk Kultur, Hörspiel, 17.1.2021

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