Der eine prägte die empirische Psychologie, der andere begründet die moderne literarische Fiktion: Die Brüder William und Henry James prägten auf ihre jeweils eigene Weise den Diskurs zum beginnenden 20. Jahrhundert.

Die Brüder Henry (1843-1916) und William James (1842-1910): Ihr Wirken wird von einer osmotischen Produktivität und Rivalität angetrieben. Als Psychologe und Philosoph führt William James ein Phänomen in das moderne Geistesleben ein, das wir als „stream of consiousness“ oder „Bewusstseinsstrom“ kennen.

Henry James wird zum Begründer der modernen literarischen Fiktion. Seine Werke kreisen um eine provokante Frage, die er in der berühmten Erzählung „The Turn of the Screw“ bis ins Unerträgliche zuspitzt: Wie weit kann die Vorstellungskraft gehen?

Intellektuelles Wirken des Psychologen William James

Die Zukunft von William James – der Willy genannt wird – ist ungeklärt. Der 19-Jährige, der Unterricht bei dem berühmten Maler William Morris Hunt nimmt, fühlt sich zunächst zum Künstler berufen. Er schreibt an den Vater, der schon einen Wissenschaftler in ihm sieht:

„Ich vermag nicht zu erkennen, warum die spirituelle Einstellung eines Menschen nicht unabhängig von seinen ästhetischen Aktivitäten verlaufen kann, warum die Kraft, die ein Künstler in sich fühlt, ihn vergessen lassen soll, was er ist.“

In den ersten Jahren des Sezessionskriegs (1861-1865) verfolgt Willy ein regelloses Studium, während ihn die vielen Todesnachrichten von den Fronten verstören. Unter den Gefallenen sind Verwandte und Freunde.




http://xb187.xb1.serverdomain.org/radio/musik/LN-Henry-und-William-James.mp3
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© Deutschlandfunk, Lange Nacht, 5.12.2020

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