Auf George Gershwin geht folgende Aussage zurück: „Life is a lot like Jazz…it´s best when you improvise.“ Im Frühjahr hat Matthieu Bordenave gemerkt, dass an dieser Einschätzung was dran ist. Denn da musste der in München lebende Franzose auf die harte Tour lernen, auch abseits der Bühne aus dem Stegreif heraus zu agieren. Wie so viele andere seiner Kollegen auch. Von Ssirus W. Pakzad

Der Lockdown hätte den 37-jährigen Familienvater fast in die Knie gezwungen. Keine Konzerte. Keine Perspektiven. Große Existenzsorgen. Doch dann improvisierte er mit den wenigen vorhandenen Optionen, wurde an einem musisch orientierten Gymnasium als Lehrer angestellt und konnte somit seinen Lebensunterhalt sichern. Und jetzt tat sich für ihn ein weiterer Silberstreif am Horizont auf: die Veröffentlichung seines ECM-Albums „La traversée“ wird dem Tenorsaxophonisten voraussichtlich viel Aufmerksamkeit bescheren. 

„Für meinen Ton gibt es zwei Vorbilder: Warne Marsh und Charles Lloyd“, bekennt Matthieu Bordenave am heimischen Küchentisch. „Beide spielen nach meiner Meinung kein Tenorsaxophon. Ich mag diese Idee, dass Warne und Charles ihr Instrument neu definiert haben“

Matthieu Bordenave

Seit 2008 lebt der in den Pyrenäen aufgewachsene Matthieu Bordenave in München – weil er die Nähe der Berge braucht und wusste, dass wichtige Labels in der bayerischen Hauptstadt beheimatet sind. Hier sattelte er an der Musikhochschule noch ein Studium drauf, nachdem er bereits in Frank­reich seine akademische, zunächst klassische Ausbildung begonnen hatte. Sein hiesiger Lehrer Leszek Zadlo war damals etwas verwundert darüber, dass sein Eleve sich mit äolischen Tönen meist in den höheren Registern des Tenorsaxophons bewegte und die tiefen, erdigen Klangregionen des Instruments mied. Eines Tages brachte er ein Altsaxophon zum Unterricht mit, um dann festzustellen, dass Matthieu Bordenave wohl doch ein geborener Tenorist ist. Wenn auch einer, der anders klingt.

© NMZ, 11/2020

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