100 Jahre Jazz on Record: „Liner notes, die Hüllentexte der Jazzplatten“ Mit Karl Lippegaus

Im LP-Zeitalter hatten Jazzplatten häufig auf der Rückseite des Covers ausführliche Begleittexte, im Englischen kurz ‚liner notes‘ genannt. Man las viele dieser Einführungen immer wieder gern, während man der Musik lauschte und auf die LP-Hülle blickte. Das gesamte Business der Covertexte schien jahrzehntelang von einer Handvoll Autoren beherrscht, die eine riesige Fülle an Texten verfasste.

Es waren namhafte Autoren und Jazzradio-DJs, von denen sich die Firmen natürlich einen zusätzlichen Anreiz für den Plattenkauf erhofften. An der US-Westküste zählten Leonard Feather und Ralph J. Gleason zu den begehrtesten Journalisten, während in New York Nat Hentoff, Ira Gitler und Robert Palmer den verschlungenen Pfaden des Jazz folgten.

Auch Produzenten wie Orrin Keepnews und Joachim Ernst Berendt griffen gerne zur Feder, um für ihre neuesten Aufnahmen zu werben. Der Schreiber am Hofe Duke Ellingtons war stets Stanley Dance, während sich Benny Green ums Pablo-Label kümmerte. Bis heute sind Stanley Crouch, Bob Blumenthal, Gary Giddins und Michael Cuscuna vielgefragte ‚liner notes‘-Autoren.

Dass auch mal Musiker sich schriftlich äußerten, kam dagegen viel seltener vor: Ornette Coleman, Roswell Rudd, Ran Blake, Steve Khan, Marian McPartland und Jimmy Giuffre, ja ein Mal sogar Miles Davis! Eine kritische Auslese von ‚liner notes‘ aus einem halben Jahrhundert präsentiert Karl Lippegaus in dieser Jazz Special-Ausgabe.

© NDRInfo, 25.8.2017

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