Zeitfenster 1956: „Brilliant Corners“

Was geschah im Jazz vor sechzig Jahren? Nach dem Tod Charlie Parkers im Vorjahr war auch 1956 ein Jahr der Verluste: im Juni ließ der erst 25-jährige Trompeter Clifford Brown bei einem Autounfall sein Leben, im November verstarb ein weiterer Wegbereiter der Moderne – der 47-jährige Pianist Art Tatum.

Viele andere große Interpreten der Swing-Ära waren jedoch sehr kreativ: Count Basie, Billie Holiday, Bing Crosby, Duke Ellington, Buddy Rich oder Benny Goodman.

Mit Karl Lippegaus

Während alte und neuere Spielarten des Jazz praktiziert und von einem breiten Publikum gehört wurden, war der Rock’n’Roll längst dabei, den Jazz bei der Jugend als beliebteste Tanz- und Unterhaltungsmusik abzulösen. Im Underground vollzog sich die Auflösung von Spielregeln, die jahrzehntelang den Sound des Jazz geprägt hatten. Die Hardbop-Cliquen um Art Blakey’s Jazz Messengers, den Organisten Jimmy Smith und viele andere, deren Musik mehr auf Blues und Gospel abzielte als auf die gefälligen Melodien von Broadway und Tin Pan Alley, machten einen neuen Mainstream-Jazz populär, während das Modern Jazz Quartet einen kultivierten und kammermusikalisch geprägten Jazz schuf, der in großen Konzertsälen als Amerikas klassische Musik gefeiert wurde.

Die entscheidenden neuen Impulse jedoch kamen von Musikern, die besonders von Charlie Parker beeinflusst waren: Miles Davis, Charles Mingus und Thelonious Monk, der 1956 mit „Brilliant Corners“ ein erstaunliches Album vorlegte. Über einen Zeitraum von zwei Monaten war dieses Meisterwerk entstanden, mit dem Monk die Früchte eines der turbulentesten Jahre seines Lebens ernten konnte.

Playlist

© WDR 3, Jazz & World, 16.12.2016

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