Michael Naura: Chet Baker – Der lange Sturz … Eine szenische Phantasie….

„Ich war immer auf der Suche nach meiner eigenen Melodie.“ Chet Baker, die amerikanische Jazzlegende, war der Gegenentwurf zu bürgerlicher Idylle. Er war der entrückte Schmerzensmann der Sucht. Aber noch im Sturz war seine Musik groß.

In der „szenischen Phantasie“ verschmelzen rauschhafte Wortexzesse und fiktive Erinnerungspartikel aus Bakers Leben mit wunderbarem Jazz von und mit Michael Naura, Herbert Joos und Wolfgang Schlüter zu einer Hommage an den großen Musiker, der am 13. Mai 1988 beim Sturz aus einem Fenster ums Leben kam.

Die Geschichte der Jazz-Ikone Chet Baker – des „James Dean des Jazz“ – und sein mysteriöser Tod in einem Hotelzimmer in Amsterdam wären als Filmstoff einfach ideal und deshalb schon wieder unglaubwürdig, glaubt Konrad Heidkamp. Weshalb er es Michael Naura hoch anrechnet, dass dieser in seiner „szenischen Phantasie“ den Geschichten Bakers seine eigenen Fantasien entgegenzusetzen wagt. Naura lässt Baker in der Stunde vor seinem Tod halluzinieren. So fiebert Baker etwa seinen Vater herbei, der nicht will, dass sein Sohn „Nigger-Musik“ spielt, oder seinen alten Partner Gerry Mulligan. Und das alles unterlegt mit einem Potpourri an Musikrichtungen, von Jazz bis zur Matthäuspassion. Naura gelinge es unter anderem durch eine „nahtlose“ Verknüpfung dieser Musikfragmente, Chet Bakers rauschhaftes Leben hörbar zu machen, lobt der Rezensent. Nauras „dantesche Irrfahrt durch Himmel und Höllen einer Karriere“ drücke die „grausame Poesie“ des Lebens von Chet Baker in gelungener Weise aus. Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.08.2002

 

© NDRInfo, Jazz Special, 12.5.2018

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