Hörfunktipps KW 30 Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova

Montag, 24. Juli 2017

Musik-Panorama · 21.05 – 22.50 Uhr · Deutschlandfunk
Grundton D 2017 – Konzert und Denkmalschutz (3)
Werke von Antoine Brumel, Josquin des Préz, Johann Walter, Thomas Stoltzer u.a.
Calmus Ensemble
amarcord
Am Mikrofon: Jochen Hubmacher
Im Sommer 1519 verteidigte Martin Luther vor päpstlichen Vertretern in Leipzig seine ketzerischen Thesen. Das Ereignis ging als ‚Leipziger Disputation‘ in die Geschichtsbücher ein. Weniger bekannt hingegen ist, dass die Thomaner diese Disputation musikalisch umrahmten. Beim sonntäglichen Festgottesdienst in der Leipziger Thomaskirche kam es zur Aufführung einer spektakulären Messe „die aus Harmonien von zwölf Stimmen zusammenklang“. Wissenschaftler vermuten, dass es die Missa ‚Et ecce terrae motus‘ von Antoine Brumel gewesen sein muss. Sie erklingt im Rahmen der Deutschlandfunk-Benefizreihe ‚Grundton D’ 2017 beim Konzert in Eggenfelden. Mit amarcord und Calmus singen zwei Spitzenvokalensembles, die beide ihre Wurzeln im Leipziger Thomanerchor haben.
Feature · 0.05 – 1.00 Uhr · Deutschlandfunk Kultur
Denken lernen
Ein Underground-Gymnasium in Minsk
Von Inga Lizengevic
Dlf Kultur/SWR 2017/ca. 54‘
Als Diktator Lukaschenka das aufmüpfige Jakub Kolas Lyceum 2003 schließen ließ, organisierten sich Lehrer und Eltern auf eigene Faust. In Belarus dürfen Kinder außerschulisch lernen, sind aber verpflichtet, regelmäßig an staatlichen Prüfungen teilzunehmen. Offiziell existiert die Schule nicht. Der Unterricht geht weit über den offiziellen Lehrplan hinaus. Kritisches Denken wird gelehrt und vorgelebt. Im Lehrerkollegium sind einige der führenden Intellektuellen des Landes.

Zeitfragen. Feature · 19.30 – 20.00 Uhr · Deutschlandfunk Kultur
Abitur in Kochen, Fußball und Tischtennis
Eine Bildungsgeschichte
Von Knut Benzner
Hannover 1973, die landesweit erste Integrierte Gesamtschule, die IGS Roderbruch, nimmt den Betrieb auf. 120 Schüler von anderen Gymnasien, von Mittelschulen sowie der sogenannten Kollegiaten, also Schüler, die bereits eine Lehre hinter sich haben (alles paritätisch zu je einem Drittel verteilt), nutzen das riesige Schulgelände zunächst noch alleine. Das Projekt ist ganz vom Reformgeist dieser Tage durchdrungen. Alles ist verhandelbar, und man kann tatsächlich in Kochen, Fußball und Tischtennis Abitur machen. Geschadet hat es den Schülerinnen und Schülern offenbar nicht. Der Jahrgang brachte Rechtsanwälte, hochrangige Ärzte, Doktoren an physikalischen Instituten, Ministerialbeamte oder Mitarbeiter des DAAD hervor. Und einer landete beim Radio.

Dienstag, 25. Juli 2017

Jazz Live · 21.05 – 22.00 Uhr · Deutschlandfunk
Das Pablo Held Quartett
Am Mikrofon: Thomas Loewner
Der Kölner Pianist Pablo Held ist eines der Aushängeschilder der aktuellen deutschen Jazzszene. Seit Anfang 2017 findet im Kölner Loft die Konzertreihe ‚Pablo Held Meets‘ statt. Hier nutzt der Pianist die Gelegenheit, neue Bandkonstellationen mit Musikern auszuprobieren, die größtenteils aus dem Umfeld von Pirouet Records stammen. Für das Konzert am 11. Juni konnte Pablo Held mit dem spanischen Schlagzeuger Jorge Rossy einen der großen Künstler des internationalen Jazz gewinnen: Rossy war viele Jahre Mitglied im Brad Mehldau Trio. Die weiteren Gäste an dem Abend waren Matthias Pichler am Kontrabass und der amerikanische Saxofonist Robert Stillman.

Alte Musik · 22.00 – 22.30 Uhr · Deutschlandfunk Kultur
Musik für König und Bürger
Der preußische Hofmusiker Johann Gottlieb Janitsch
Von Bernhard Schrammek
Vor mehr als 250 Jahren starb in Berlin der Hofmusiker Johann Gottlieb Janitsch. Aus Schlesien stammend, war er bereits 1736 in die Dienste des damaligen Kronprinzen Friedrich gelangt und begründete in Rheinsberg eine musikalische Akademie. Nach der Regierungsübernahme Friedrichs II. wechselte er nach Berlin und zählte fortan zu den einflussreichsten Hofmusikern des Königs. Parallel engagierte er sich für ein bürgerliches Musikleben in Berlin und lud befreundete Instrumentalisten zum gemeinsamen Musizieren in seine Wohnung ein. Diese regelmäßigen Zusammenkünfte wurden zum Vorbild mehrerer privater Musikvereinigungen, die den Grundstein für das öffentliche Konzertleben in Berlin legten.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Querköpfe · 21.05 – 22.00 Uhr · Deutschlandfunk
Kabarett, Comedy & schräge Lieder
Lost Paradies
Auf der Suche nach dem verlorenen All-inclusive-Glück
Von Achim Hahn
All inclusive, das waren noch Zeiten. Damals im Garten Eden. Paradiesische Zustände. Begrenztes Szenepublikum, exklusive Clubatmosphäre. Erkenntnis exklusive, aber das machte nichts. Zumindest eine Zeit lang. Urlaub der extensiven Dimension. An Arbeit war nicht zu denken. Bis zu jenem Obstzwischenfall. Aber das ist eine andere Geschichte. Tatsache ist, dass wir heute etwas vermissen und daher jahraus jahrein versuchen, diesem schwerelos zufriedenen Glückszustand nahezukommen. Egal, ob per Billigflieger oder auf Schusters Rappen. Der Möglichkeiten sind viele und am besten mit Humor zu begegnen, wie die Fachleute der Branche in etlichen Fallbeispielen belegen können.

Feature · 0.05 – 1.00 Uhr · Deutschlandfunk Kultur
Imported Husbands
Von Jonas Rothlaender
SWR/YLE 2016/54‘
„Für Nokia oder für eine Frau?“ So lautet die Frage, wenn ausländische Männer nach Finnland kommen. Jonas Rothlaender kennt die Frage. Er ist selbst mit einer Finnin liiert und wie von selbst hat er andere Männer kennengelernt, die ebenfalls aus Liebe in den hohen Norden gekommen sind. Und egal, woher sie kommen, ihre Probleme sind ähnlich: die kalten und endlosen Nächte, die stille Verschlossenheit der Finnen und – nicht zuletzt – die eigene Unsicherheit und Verletzlichkeit, mit der sich die ‚Imported Husbands‘ konfrontiert sehen.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Marktplatz · 10.10 – 11.30 Uhr · Deutschlandfunk
Schnelle Hilfe
Wer unterstützt in Notlagen?
Am Mikrofon: Jan Tengeler
Hörertel.: 0 08 00.44 64  44 64
marktplatz@deutschlandfunk.de
Was tun, wenn kein Weg mehr aus der Schuldenfalle führt? Wenn durch einen Unfall der Partner unvermittelt aus dem Leben gerissen wird? Oder das Kind wegen Drogenmissbrauchs die Schule verlassen muss? Notlagen ereilen einen oft so heftig, dass auch private Unterstützung an die Grenzen gerät. Wo gibt es schnell und unbürokratisch Hilfe von Institutionen, die man ohne Scheu in Anspruch nehmen sollte? Reicht die Telefonseelsorge vielleicht schon aus? Und falls nicht: Wie lange dauert es, bis ein Mitarbeiter des Sozialamtes genügend Zeit hat, um längerfristig Unterstützung zu gewähren? Oder ist es einfacher, sich an eine kirchliche Einrichtung wie Caritas oder Diakonie zu wenden?

JazzFacts · 21.05 – 22.00 Uhr · Deutschlandfunk
‚Running Backwards‘
Der französische Pianist Andy Emler im Gespräch mit Karl Lippegaus
Von dem Schriftsteller und Maler Francis Picabia stammt das Zitat „Unser Kopf ist rund, um dem Denken zu erlauben, die Richtung zu wechseln.“ Es könnte für das bisherige Gesamtwerk des französischen Pianisten, Komponisten und Bandleaders Andy Emler stehen, der diesen Satz seinem aktuellen Album ‚Running Backwards‘ beigefügt hat. Mit seinem MegaOctet hat Emler seit 1989 mit jedem neuen Album musikalisches Neuland betreten. Mit der Rhythmusgruppe der Megas – dem Bassisten Claude Tchamitchian und dem Drummer Éric Echampard – nahm Emler wenig bekannte Meisterwerke des Pianotrio-Jazz auf. Jetzt erweiterte er diese Trioformation um den Gitarristen Marc Ducret und es entstand wieder ein neuer, aufregender Ensembleklang.

Freitag, 28. Juli 2017

On Stage · 21.05 – 22.00 Uhr · Deutschlandfunk
Crossover-Pioniere zwischen Funk, Rock und Metal
Living Colour
Am Mikrofon: Tim Schauen
Das New Yorker Quartett Living Colour spielte seit seiner Gründung 1983 einen Mix aus derart vielen Stilen, dass schnell Bezeichnungen für diese neuartige Musik gefunden werden mussten: Funkrock, Funkmetal oder kurz und knapp: Crossover. Die Band hatte einen oftmals harten, gitarrenlastigen Sound, übertraf an Spiel- und Experimentierfreude die meisten anderen (Heavy-Metal-) Bands und bestach zudem durch kritische Texte. Anfangs von Mick Jagger protegiert, der sie als Vorband der Rolling Stones engagierte, lösten sich Living Colour nach drei Alben 1995 auf, doch seit 2001 sind sie wieder gemeinsam aktiv. Bei den Leverkusener Jazztagen im Jahr 2008 holten sie alte Hits aus ihrem Katalog, spielten aber auch (damals) neue Stücke.

Klangkunst · 0.05 – 1.00 Uhr · Deutschlandfunk Kultur
documenta 14: Every Time A Ear di Soun
The Origin of Everything: Vom tropischen Tieflande zum ewigen Schnee
Von Marco Montiel-Soto
documenta 14/Dlf Kultur 2017/54‘30
(Ursendung)
Marco Montiel-Soto erkundet und komponiert Klänge. Zwischen 2013 und 2017 sammelte er Fieldrecordings und Aufnahmen traditioneller Instrumente in Mexiko, Venezuela, Chile, Kolumbien, Ecuador und Peru. Sie erzählen vom Verhältnis zwischen poetischen und politischen Territorien, von Traditionen, Wirtschaft, Religion, Pyramiden, Raumschiffen, Bingo und Tod. Entstanden ist eine kreolische Komposition mündlicher Populärkulturen der Straßen Lateinamerikas. Als zusammengesetzte Kartografie schließt sie Archäologien des Wissens, des Kosmos und des Chaos mit ein.

Samstag, 29. Juli 2017

Klassik-Pop-et cetera · 10.05 – 11.00 Uhr · Deutschlandfunk
Am Mikrofon: Marek Zwiebel und Radim Sedmidubský vom Pavel Haas Quartett
15 Jahre existiert es nun, das in Prag beheimatete Pavel Haas Quartett. Ein Streichquartett, das heute zu den gefragten seines Faches zählt. Was das Quartett prägt, ist nicht ein wohliger Schönklang, sondern die Intensität des Klangs – bedingt durch das hochemotionale Spiel der vier Streicher. Den Anstoß zur Quartettgründung gab die damals arbeitslose Geigerin Veronika Jarusková. Sie versammelte ehemalige Prager Mitstudenten um sich, als Namensgeber wählte man den Namen des 1944 in Auschwitz ermordeten tschechischen Komponisten Pavel Haas. Drei Jahre musste das Quartett auf seinen Durchbruch warten. Er kam 2005 schlagartig mit dem Gewinn des italienischen Musikwettbewerbs Premio Paolo Borciani. 40 Konzertverpflichtungen in Japan, Europa und in den USA folgten, die die Basis für das Renommee wurden, das das Quartett heute genießt.

Lange Nacht · 0.05 – 3.00 Uhr · Deutschlandfunk Kultur
Jedes Wort zählt
Eine Lange Nacht über Telegramme
Von Godehard Weyerer
‚Ankomme Freitag stopp. 15 Uhr stopp Helmut.‘ Im Telegramm wurde so gut wie alles angezeigt – die Ankunft, der Krieg, die Liebe. Teuer waren Telegramme in jedem Fall: 1866 kosteten 20 Wörter, die zwischen Europa und Amerika hin- und hergeschickt wurden, 400 Mark – ein kleines Vermögen. Acht Jahre zuvor war das erste Transatlantikkabel auf dem Meeresboden verlegt worden. Telegramme schrieben in der Folgezeit Geschichte – nicht nur Weltgeschichte. Die Nachricht eilte der Ware voraus – das machten Börsen- und Warenterminspekulationen möglich. Mittlerweile haben andere, schnellere und billigere Kommunikationswege der drahtgebundenen Übertragung den Rang abgelaufen. Bleibt die Frage, was in Zeiten von E-Mail, WhatsApp und Twitter aus dem guten, alten Telegramm geworden ist.
Die ‚Lange Nacht‘ wird ab 23.05 Uhr auch im Deutschlandfunk gesendet.

Sonntag, 30. Juli 2017

Essay und Diskurs · 9.30 – 10.00 Uhr · Deutschlandfunk
Kann man Banken lieben?
Stadtentwicklung in Frankfurt
Von Andrea Gnam
Eine mittelalterliche Altstadt, Gründerzeitquartiere, eine himmelstürmende Skyline. Frankfurt ist einzigartig unter den deutschen Städten. Vor einigen Jahren setzte ein zeitspezifisches Revival des verlorenen historischen Zentrums ein, entstehen sollte eine dichte, makellos erscheinende Heimeligkeit der Gassen in freier Anlehnung an historische Modelle. Architekturkritiker sprachen schnell von einem Irrtum. Doch eigentlich hat Frankfurt andere Probleme. In dieser neuen Altstadtplanung sind nur 80 (teure) Wohnungen vorgesehen, wo doch eigentlich neue Wohnquartiere in der Stadtplanung an erster Stelle stehen müssten. Andrea Gnam stellt in ihrem Essay Frankfurt am Main als gebautes Lehrbuch für zeittypische Maximen, Fehlschläge und Missverständnisse vor.

Kakadu. Hörspieltag · 8.05 – 9.00 Uhr · Deutschlandfunk Kultur
Wenn Pinguine fliegen
Von Sarah Trilsch
Regie: Judith Lorentz
DKultur 2016/52‘
In Antonias Nachbarhaus zieht am Ende der Sommerferien eine neue Familie ein. So wohnt plötzlich Karl nebenan, ein Junge, der einen anderen Jungen zum Fußballspielen sucht. Mit Mädchen möchte er nichts zu tun haben. Da Antonia von ihrer Schwester Toni gerufen wird und in Hose und T-Shirt herumläuft, denkt Karl, sie wäre ein Junge. Antonia deckt den Irrtum nicht auf, im Gegenteil: Nun spielt sie einen Jungen, sie schneidet ihre Haare ab, lernt Fußballspielen und baut sich mit ihrem Stiefvater ein Holzschwert. Da will Karl sie spontan zu Hause besuchen. Gerade noch kann Antonia all ihre Puppen, Pferdeposter und Sommerkleider verstecken. Aber lange kann sie das Spiel nicht mehr durchhalten. Was wird aus der Freundschaft, wenn Karl den Irrtum bemerkt?

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