Hörfunktipps KW 28 Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova

Montag, 10. Juli 2017

Musik-Panorama · 21.05 – 22.50 Uhr · Deutschlandfunk

Beethovenfest Bonn 2016

Werke von Dmitri Schostakowitsch, Alexander Mossolow, Nikolai Mjaskowski und Sergei Rachmaninow

Boris Berezowsky, Klavier

Ural Philharmonic Orchestra

Leitung: Dmitri Liss

Über Jahrzehnte war das Ural Philharmonic Orchestra von der Außenwelt abgeschnitten. Sein Heimatort – das heutige Jekaterinburg, einst Swerdlowsk – galt in der UdSSR wegen seiner militärischen Bedeutung als verbotene Stadt. Seit der Öffnung hat sich das Orchester unter seinem Dirigenten Dmitri Liss weit über Russland hinaus international profiliert. Beim Bonner Beethovenfest 2016 gastierte es mit einem maßgeschneiderten Programm fürs Festivalmotto ‚Revolutionsmusiken‘: mit Sowjetavantgarde der 20er-Jahre von Schostakowitsch, Mossolow und Mjaskowski und – als bürgerliches Gegenstück – dem dritten Klavierkonzert von Sergei Rachmaninow.

Zeitfragen. Feature · 19.30 – 20.00 Uhr · Deutschlandfunk Kultur

Die Populisten und ihr Volk

Warum der populistische Diskurs so zeitgemäß ist

Von Heiner Kiesel

Victor Orbán, Marine Le Pen, Geert Wilders, die AfD – der Populismus geht als Schreckgespenst um in Europa. Das Phänomen ist nicht neu – schon gar nicht in Deutschland. Die etablierten Politiker sind in Aufregung – Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht gar von Anfechtungen „wie nie zuvor“. Das ist mehr als Wahlkampfrhetorik – tatsächlich haben sich die Rahmenbedingungen zugunsten der populistischen Akteure gewandelt. Nicht zuletzt profitieren sie von der Wiederkehr der Massen – einem Konzept, das schon früher für Ängste im etablierten Bürgertum gesorgt hat. Das Feature zeigt, was die Populisten so erfolgreich werden lässt und wie tiefgreifend sie den politischen Diskurs bereits verändert haben.

 

Kriminalhörspiel · 21.30 – 22.30 Uhr · Deutschlandfunk Kultur

Rotes Gold

Nach dem Roman von Tom Hillenbrand

Bearbeitung und Regie: Martin Engler

DKultur 2015/56‘45

Seit der Luxemburger Koch Xavier Kieffer mit Frankreichs berühmtester Gastro-Kritikerin liiert ist, wird er zu den exklusivsten Events eingeladen. Das edle Dinner beim Pariser Bürgermeister im Musée d’Orsay endet schon nach der Vorspeise, denn Rynosuke Mifune, Europas berühmtester Sushi-Koch, fällt tot um. Fischvergiftung lautet die Diagnose. Kieffer taucht ein in die Welt der Sushi-Küche, in der es Fische gibt, die teurer sind als Gold und wertvoller als Menschenleben.

 

Dienstag, 11. Juli 2017

Sprechstunde · 10.10 – 11.30 Uhr · Deutschlandfunk

Dialyse – Alltag mit der künstlichen Niere

Studiogäste: Prof. Dr. Jan-Christoph Galle, Klinikdirektor Klinik für Nephrologie und Dialyseverfahren, Klinikum Lüdenscheid, und Willi Koller, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Niere e.V., Mainz

Am Mikrofon: Carsten Schroeder

Hörertel.: 0 08 00.44 64  44 64

sprechstunde@deutschlandfunk.de

Dialyse – etwa 70000 Menschen sind derzeit in Deutschland auf die künstliche Blutwäsche angewiesen. Das Verfahren hilft Nierenkranken, die oft lange Wartezeit zu überbrücken, bis ein Spenderorgan für eine Transplantation zur Verfügung steht. Viele Patienten müssen allerdings Jahrzehnte mit der Dialyse leben. Dabei beeinflusst sie die Mobilität der Patienten und kann bei dauerhaftem Einsatz zu Folgeerscheinungen wie Gefäßschäden oder Knochenproblemen führen. Mit unterschiedlichen Ansätzen arbeiten derweil Mediziner daran, die künstliche Blutwäsche risikoärmer und verträglicher zu machen.

Zeitfragen. Feature · 19.30 – 20.00 Uhr · Deutschlandfunk Kultur

Teer am Strand von Nord- und Ostsee

Die Jagd auf Ölsünder

Von Lutz Reidt

Der Strandspaziergang endet abrupt, als eine pechschwarze, klebrige Masse am Fuß hängen bleibt – Teer. Ein dünne Schicht Altöl war unter dem Sand verborgen. Die Ölverschmutzung ist ein gravierendes Problem für Tourismus und Meeresökologie. Naturschützer schätzen, dass 30 Prozent aller tot aufgefundenen Seevögel in der Deutschen Bucht an Öl verendet sind. Ursache dafür sind aber nur selten die großen Ölteppiche aus havarierten Tank- und Frachtschiffen. Bis zu 90 Prozent der illegalen Öl-Einleitungen sind chronischer Natur: Schiffsbesatzungen reinigen auf dem Meer ihre Tanks oder lassen Brennstoff-Rückstände ab. Dieser Sludge (engl. für Schlick) wird illegal abgepumpt, um Entsorgungsgebühren in den Häfen zu sparen.

 

Mittwoch, 12. Juli 2017

Spielweisen · 22.05 – 22.50 Uhr · Deutschlandfunk

Wortspiel – Das Musik-Gespräch

Die Mitglieder des Signum Quartetts über Leoš Janáčeks Streichquartett Nr. 2 ‚Intime Briefe‘

Leoš Janáčeks zweites Streichquartett ist eine einzige Liebeserklärung. Gerichtet an seine 38 Jahre jüngere Geliebte, Kammila Stösslova. Der Komponist selbst war schon 74 Jahre alt, als er dieses, sein bedeutendstes kammermusikalisches Werk 1928 vollendete. Im August desselben Jahres ist Janáček gestorben. Seine Komposition klingt wie ein großes Bekenntnis. Zwei charaktervolle Themen eröffnen den ersten der vier Sätze. Wie diese sich entwickeln, wie die Sätze aufeinander reagieren und die ‚Intimen Briefe‘ gestaltet sind – darüber spricht Christoph Schmitz mit den Musikern des Signum Quartetts, die zahlreiche musikalische Beispiele bieten.

Feature · 0.05 – 1.00 Uhr · Deutschlandfunk Kultur

Eine andere Welt ist möglich

Über das utopische Verlangen

Von Inge Braun und Helmut Huber

DKultur 2006/54‘29

In neoliberalen Zeiten scheinen kollektive Träume von einer anderen Gesellschaft keinen Platz mehr zu haben. Ist uns die Fähigkeit abhandengekommen, „das Ganze sich vorzustellen als etwas, was völlig anders sein könnte?“ (Adorno). Oder ist „Das Prinzip Hoffnung“, „der Traum von einer schöneren Welt“ (Bloch), nicht etwa ein ewiger Antrieb menschlichen Handelns? Die Autoren werfen einen Blick auf die Hoffnungen und Enttäuschungen politischer Utopien.

 

Donnerstag, 13. Juli 2017

JazzFacts · 21.05 – 22.00 Uhr · Deutschlandfunk

Liebe in acht Farben

Die New Yorker Gitarristin Mary Halvorson und ihre schillernde Musik

Von Odilo Clausnitzer

Mary Halvorson gilt vielen Kritikern heute als Inbegriff der zeitgenössischen Jazz-Avantgarde. Mit ihrem Trio arbeitet sie seit fast zehn Jahren fest zusammen. 2011 erweiterte sie es zum Quintett, dann zum Septett und schließlich zum Oktett. Dafür schreibt sie abenteuerliche, komplexe, fein strukturierte Partituren, die der Improvisation weite Spielräume lassen. Wichtigster Leitfaden ist dabei die eigene Fantasie: Formale Regeln gebe es nicht, sagt sie. So entsteht eine kaleidoskopische Musik, die bei aller Sinnlichkeit viele Perspektiven öffnet – ganz wie es der Titel eines ihrer Stücke, ‚Love in eight colors‘, nahelegt.

Zeitfragen. Feature · 19.30 – 20.00 Uhr · Deutschlandfunk Kultur

Wie das Gehirn entscheidet

Neue Erkenntnisse zur Willensfreiheit

Von Matthias Eckoldt

In welcher Beziehung stehen unsere Handlungen zu den Hirnprozessen, die sie vermitteln? Bereits acht Sekunden bevor ein Proband die Entscheidung fällt, den Knopf in seiner linken oder in seiner rechten Hand zu drücken, wissen John-Dylan Haynes und seine Mitarbeiter am Bernstein Center for Computational Neuroscience, welche Handlung er ausführen wird. Welche Konsequenzen hat diese naturwissenschaftlich präzise und technologisch hochgerüstete Variante des Blicks in die Glaskugel für unser Selbstbild? Wie weit her ist es mit unserem freien Willen? Und wie weit hin noch bis zur Überwachung durch das Scannen der Gedanken?

 

Freitag, 14. Juli 2017

Das Feature · 20.10 – 21.00 Uhr · Deutschlandfunk

Der einsame Tod des Herrn D.

Von Johannes Nichelmann

Dlf 2017

Berlin – ein Plattenbau mit elf Etagen und über 30 Wohnungen. Wenn die Nachbarn Herrn D. vor einigen Jahren zufällig im Fahrstuhl trafen, grüßten sie einander und erkundigten sich nach dem gegenseitigen Wohlbefinden. Herr D. war immer adrett angezogen, stets höflich. Dann kam der Alkohol, und der freundliche Mann schien immer häufiger neben sich zu stehen. Irgendwann gab es keine Begegnungen mehr … Herr D. war verschwunden. Fünf Jahre nach dem Verschwinden macht die Polizei eine grausige Entdeckung. Sie findet die mumifizierte Leiche von Herrn D. auf dessen Sofa. Wie konnte es dazu kommen, dass für ein halbes Jahrzehnt niemand vom Tod des Mannes Notiz genommen hat? Ein Dokumentarstück über Einsamkeit und Zusammenhalt.

Kakadu. Entdeckertag · 15.05 – 15.30 Uhr · Deutschlandfunk Kultur

Vom Revolutionslied zur französischen Nationalhymne

Die Marseillaise

Von Susanne Franzmeyer

Zumindest jeder Fußballfan bekommt sie regelmäßig zu hören. Nämlich, wenn die französischen Nationalspieler im Stadion in einer Reihe stehen und mitsingen: die französische Nationalhymne. Aber warum ist der Text bloß so ungeheuer blutrünstig? Um das zu verstehen, müssen wir zurückschauen in die Zeit der Französischen Revolution. Damals hatte ein König das alleinige Sagen. Während der in Saus und Braus lebte, musste das Volk große Not leiden. 1789 schließlich gingen die Menschen auf die Barrikaden – die Revolution hatte begonnen. Im Laufe der Ereignisse schrieb der Offizier Rouget de Lisle 1792 ein Lied, das als die sogenannte Marseillaise in die Geschichte einging und sich bis heute als Nationalhymne Frankreichs gehalten hat.

 

Samstag, 15. Juli 2017

Hörspiel · 20.05 – 22.00 Uhr · Deutschlandfunk

Gold. Revue

Von Jan Wagner

Dlf/SWR 2017/84‘19

Unterstützt durch die Filmstiftung NRW

(Ursendung)

Es ist Gold, das seit Anbeginn der Dinge ruhte, aber nicht schlief, das nur darauf wartete, gefunden zu werden am Ufer eines Flusses irgendwo in den menschenleeren Weiten. Und so rast das Gerücht von Dorf zu Stadt, über die Länder und Meere, bis die Fabriken und die Büros verstummt sind, die Schiffe leer in der Bucht schaukeln, nur noch die Hacken und Schaufeln Hunderttausender von Glücksuchern zu hören sind. ‚Gold‘ ist ein lyrisches Stimmenspiel von Jan Wagner, in dem sie alle zu Sprache und zu Gesang finden, die Herumtreiber und die Händler, die Schürfer und Gräber, die Bardamen, Bestatter, Liebenden und Missionare, die Säufer und Prasser und Spieler, all jene, die mit nichts als ein bisschen Hoffnung in der Tasche ihr altes Dasein für immer hinter sich ließen, manchmal gewannen, fast immer verloren.

Lange Nacht · 0.05 – 3.00 Uhr · Deutschlandfunk Kultur

Glückloser Engel

Eine Lange Nacht über Walter Benjamin

Von Michael Opitz

Auf das ‚bucklicht Männlein‘ kommt Benjamin in der ‚Berliner Kindheit um Neunzehnhundert‘ zu sprechen. Wer von diesem buckligen Gesellen angesehen wurde, der gab nicht Acht und ihm zerbrach etwas oder er fiel hin. „Ungeschickt lässt grüßen“, kommentierte Benjamins Mutter diese Unachtsamkeit. Benjamin sucht für die ‚Berliner Kindheit‘, an der er im Exil schreibt, Bilder, die zu jener unwiederbringlich verlorenen Zeit gehören. Benjamin ist ein Sprachmagier, der seine Leser verführt. Geboren 1892 in Berlin, musste er 1933 emigrieren. Auf der Flucht vor den Nazis beging er 1940 in auswegloser Situation im spanischen Grenzort Portbou Selbstmord. Eine ‚Lange Nacht‘ über Walter Benjamin, in der neben dem Wissenschaftler, Literaturkritiker und Rundfunkautor insbesondere der Schriftsteller Beachtung findet.

Die ‚Lange Nacht‘ wird ab 23.05 Uhr auch im Deutschlandfunk gesendet.

 

Sonntag, 16. Juli 2017

Rock et cetera · 15.05 – 16.00 Uhr · Deutschlandfunk

Meister der Inszenierung – die schwedische Band Ghost

Von Thomas Elbern

Die schwedische Band Ghost hat im März und April eine erfolgreiche Europatour gespielt, bei der viele Shows ausverkauft waren. Doch wer hinter Ghost steckt, ist auch dieses Mal nicht bekannt geworden – und das sollte es auch nicht: Bei der Gruppe steht die Inszenierung im Vordergrund. Ghost ist Rocktheater, eine satanistisch angehauchte Vorstellung, die sich musikalisch zwischen Metal, Pop und hymnischen Melodic Rock bewegt. Was als fixe Idee in einem schwedischen Studio begann, entwickelte sich über drei Alben und mehrere Kurz-EPs. Doch was steckt hinter dem Konzept von Ghost?

Musikfeuilleton · 22.00 – 22.30 Uhr · Deutschlandfunk Kultur

Frischer Wind im Geigenbau

Neugebaute Streichinstrumente auf dem Vormarsch

Von Eva Blaskewitz

Stradivari und seine Zeitgenossen – das waren lange die Götter der Streicherwelt. Aber seit einiger Zeit schicken sich zeitgenössische Geigenbauer an, einen Platz im Olymp zu erobern. Namhafte Solisten wie Christian Tetzlaff spielen auf neugebauten Instrumenten, und auch für viele Orchestermusiker muss es nicht mehr zwangsläufig ein alter Italiener sein. Zum Umdenken tragen sicherlich die in astronomische Höhen gestiegenen Preise bei – der Rekorderlös von fast 16 Millionen Dollar für die Lady Blunt-Stradivari markiert nur das vorläufige Ende einer wahnwitzigen Entwicklung. Aber auch das Niveau des Geigenbaus ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. In Blindtests schneiden neue Spitzeninstrumente vielfach besser ab als die viel höher gehandelten Geigen aus dem 18. Jahrhundert.

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