Das Filter: Wochenend-Walkman vom 20.5.2017 mit Jlin, Egotronic und Christopher Willits

Jlin – Black Origami

Es ist der zweite Langspieler der Amerikanerin, die in Gray/Indiana aufgewachsen ist und sich im Groben dem Chicagoer Footwork verschrieben hat. Jlin denkt Footwork aber anders. Global, HiFi, cineastisch, jazzig, intellektuell. Man hört die Einflüsse aus der Kooperation mit dem indischen Tänzer unn Künstler Avril Stormy Unger aus den vergangenen Jahren. Weitere Kollaborationen gibt es mit Holly Herndon, William Basinski, Fawkes und dem südafrikanischen Rapper Dope Saint Jude. Das Chicago-Erbe wird hier also weiter gedacht und fortgeführt und mutiert zu einem Sound, der plötzlich sogar Kunstausstellungs- und Tanztheater-tauglich wird.

 

Egotronic – Keine Argumente!

Der Techno-Hedonismus von einst ist abgelegt. Das „Tanzen zu Viervierteln“ ist nunmehr „die Fortsetzung der Arbeit / Mit andern Mitteln“. Was bleibt ist an erster Stelle der durch Rechtsruck und Ausländerfeindlichkeit neu genährte und doch altbewährte Hass auf Nazi und Nation: „Deutschland, Arschloch, fick dich. Scheiße bleibt Scheiße. Deutschland an die Wand! Ihr wollt Arbeit, ich will schlafen.“ Es ist laut. Es ist rotzig. Es wird geschrien bis die Stimme kollabiert. Egotronic bleibt ein unmissverständlicher Inbegriff von Punk. Tut gut, das zu wissen.

 

Christopher Willits – Horizon

Tatsächlich ist diese Ambient-Exegese von Willits auch schon ganz klassisch und frontal konsumiert einfach wundervoll. So leise. So fließend. So voller genau richtig temperierter Pausen. So voller mumpfender Emphase in den sachten Akkorden. So herrlich repetetiv und doch vollkommen entrückt. Ein Album, auf das man sich gar nicht konzentrieren sollte. Ganz im Sinne der Ambient-Definition eben. „Horizon“ ist eine Platte, die vor allem als proof of concept beworben wird. Das wäre gar nicht nötig gewesen.

© Das Filter, Wochenend Walkman, SOUNDS – Text: Redaktion

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