„Das Chet Baker Sextet in Düsseldorf“ Mit Karl Lippegaus

An diesem Trompeter und Sänger schieden sich die Geister. Seine treuesten Fanszu enttäuschen gelang Chet Baker ebenso gut wie seinen Kritikern durch miserabel bespielte Platten die Munition für eine weitere Baker-Attacke zu liefern.

Mit Karl Lippegaus

Autoren und Filmemachern kamen durch Bakers Achterbahn-Existenz an den Stoff, aus dem Skandalbiographien gemacht sind. In Kalifornien war der junge Chet der Prinz des Westcoast Jazz. Ein gelangweilter James Dean mit Trompete, angebetet von schönen Frauen. Der Hinterwäldler aus Oklahoma und Autodidakt hatte es im Quartett mit Gerry Mulligan rasch weit gebracht in der Publikumsgunst. Ohne Navigationssystem driftete Chet Baker durch sein rastloses Leben über nächtliche Autobahnen von einem Club zum anderen. Zu seinen besten Zeiten gelangen ihm mit wenigen Mitteln entwaffnend schöne Soli, wobei er auch die Fehler charmant zu kaschieren wusste. Hunderte von Platten entstanden, um seine latente Drogensucht zu finanzieren. „Den letzten Beatnik, ohne Bankkonto, ohne feste Adresse“ – so nennt ihn der italienische Trompeter Enrico Rava, der ihn schon bei seinen frühen Eskapaden in Rom erlebte, im Rückblick. Zu dem als Einstimmung eine Konzertrarität von 1980 aus dem WDR-Archiv gehört.

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© WDR 3, Jazz & World, 14.5.2018, Foto by Richard Dumas

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