CD TIPP: Misha Alperin – At Home // ECM 2001 / Bandcamp 2018

Keine Ahnung wie es diese CD von Misha Alperin auf Bandcamp geschafft hat. Das ist aber auch egal und sehr erfreulich. Es ist eine der CD ’s, die es auf meine ewige Liste geschafft haben. Ruhig, geradezu Meditativ. Etwas für einsame Abende, wenn man seine Gedanken ruhen lassen will. Am besten nach Mitternacht und draußen, wenn der Blick zum Himmel frei ist …

 

At Home ist ein absolut ehrlicher Titel — Misha Alperin hat dieses Album wirklich im Arbeitsraum seines Holzhauses in Norwegen aufgenommen und es anschließend im Osloer Studio mastern lassen. Er begann die Aufnahme seiner Improvisationen am 10. Februar 1998, dem 21. Todestag seines Vaters. Und genauso intim wie die Begleitumstände dieser CD anmuten klingt auch die Musik selbst. Die Musik eines Mannes, der in aller Ruhe an seinem Flügel sitzt, alle Zeit der Welt hat und wahrscheinlich den Blick durch das Fenster auf die Ruhe und Weite eines norwegischen Fjordes schweifen lässt.

Misha Alperin ist kein gebürtiger Norweger, sondern ein Ukrainer, der seine Kindheit in Moldawien verbracht hat und nun seit einigen Jahren in Norwegen lebt. Dort unterrichtet er an der Norwegian State Academy of Music und besitzt ein kleines Holzhaus an der Küste des Oslo Fjordes.

Die Improvisationen, die durchaus wie Kompositionen klingen, sind fernab vom swingenden Jazz-Mainstream. Sie haben sich eingerichtet in einer Nische zwischen Neuer Musik, Anklängen an norwegische Volksweisen und freien, stehenden Klanggebilden. Sehr gelassen, mit langem Atem und voller Melancholie. –Anja Buchmann

 

2 Replies to “CD TIPP: Misha Alperin – At Home // ECM 2001 / Bandcamp 2018

  1. Alperins Stelldichein auf Bandcamp war wohl nur von kurzer Dauer. Ich habe ihn letzten Oktober als Teil des Moscow Art Trios (mich Arkady Shilkloper und Sergey Starostin) im Bremer Sendesaal gesehen und gehört, und war sehr positiv überrascht. Ich hätte nicht so einen frischen und intuitiven Musiker, sondern eher einen Grübler und Kontrollfreak erwartet – dem war überhaupt nicht so. Anders Starostin, der Vollblutfolkmusiker ist und ganz viel mit Gefühl arbeitet, wirkt Alperin auf mich manchmal sehr „spieltechnisch“ und in Richtung verkopft. Sein Pianospiel wirkt dann kalt – passend auch zum gängien ECM-Sound, perfekt, aber steril. Live war das anders.

    Auf „At Home“ wirkt Alperin sehr weich und impressionistisch, der Klang hat Raum zum Atmen, allerdings fehlen mir da Kanten als Kontrast. Da ist weder Witz, noch Schrulligkeit zu erkennen, die diesen Mann eben auch ausmachen. Aber Manfred Eicher hatte da vielleicht anderes im Sinne, oder eben auch Alperin selbst. „Zu Hause“ entspannt Mensch sich, da legt auch der Musiker Alperin seine flinken Finger ab und genießt. Mir ist das nicht genug. Ich langweilte mich schon beim zweiten Stück, wachte beim vierten Stück aber wieder auf.

    Das Behäbige hat aber auch im weiteren Verlauf stark die Oberhand, mir ist das zu langweilig – aber da ich kein bezahlter Kritiker bin, kann ich das auch schreiben. Die meisten ECM-Produkte der Neuzeit sind mir völlig egal, ich höre nur noch diejenigen an, wo ich mir was erhoffe – und das sind außer Gianluigi Trovesi, Roscoe Mitchell und ein paar anderen nicht viele.

    Das alles spricht nicht für meine Offenheit, stimmt. Aber ich komme auch in die Jahre, und kann mir Derartiges leisten. Aber Alperin live – und am besten mit seinen zwei Kollegen – immer, und gerne!

    1. Danke für deinen Hinweiß.
      Das war aber wirklich ein kurzes Gastspiel auf Bandcamp. Schade.
      Alperin hatte ich ja ein paar Tage vor Bremen in Weimar erleben können und ich war auch positiv überrascht.
      Spielfreude, Witz und Musikalität gingen Hand in Hand. Die Suite die Sie am Anfang in Weimar spielten, war jedenfalls wunderbar !

      Was die Solo Aufnahme betrifft.
      Das was er da Abends in seinem Haus spielte, hat nichts mit Kanten und Kontrasten zu tun. Da ist es Zeit für seine russische Seele, die er fliegen lässt. Ich stelle mir immer gern vor, dass er Nachts am Flügel sitzt und seinen Gedanken hinterher spielt. Den Blick nach draußen, wo der Nachthimmel seine Magie entfaltet. Das kann für den Zuhörer zu Hause alles oder auch nichts sein. Beides hat seine Berechtigung. Natürlich geht so eine in sich gekehrte Musik nicht immer, aber wenn mir danach ist, geht da nichts drüber.
      Was ECM in diesen Jahr macht … Da hebt mich nicht’s wirklich an … Bis auf Mathias Eick.

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