CD TIPP: Christopher Chaplin – Je suis le Ténébreux // Fabrique Records

Eine Traumreise, ein Soundtrack, eine Collage aus Texte, Klängen, Zitaten. Irgendwo zwischen Neuer Musik, Kammermusik und Elektronik. Manche Texte erinnern an Heiner Müller, aber nur entfernt. Auch Heiner Goebbels fällt mir da ein, wie er mit Texten und Musik umgegangen ist.  Aber das sind nur Annäherungen, da sich diese Musik nur schwer fassen lässt. Alles ist hier Material. Eine musikalische Kopfreise mit einer großer Sogwirkung, die auch nach mehrmaligen Hören, nichts von Ihrer Faszination einbüßt !

 

In den 1980er Jahren zog Chaplin von der Schweiz nach London und realisierte Kompositionsaufträge für Bühnenstücke sowie Musik für Streichquartette und Orchester. Doch dann kehrte er der Musik den Rücken und war als Schauspieler in Filmen wie „Labyrinth“ (1991), „Total Eclipse2 (1995) oder Peter Patzaks „Gavre Princip“ (1990) zu sehen.

 

Begegnung mit Hans-Joachim Roedelius

2009 kam es schließlich durch die Initiative des Wiener Labels Fabrique Records zur Zusammenarbeit mit Thomas Pötz aka Kava, das Resultat war „Seven Echoes“. Bei der Präsentation dieser Konzeptplatte im Art Brut Museum in Gugging traf Chaplin auf Hans-Joachim Roedelius, der ihn zu einer Session für die BBC einlud. Diese Stücke kamen 2012 als „King of Hearts“ heraus. Dem ersten gemeinsamen Auftritt beim Festival More Ohr Less in Lunz am See folgten zahlreiche weitere Konzerte, etwa in Paris, São Paulo, dem Extreme Chill Festival in Island und der Berliner Akademie der Künste. ( Text: Heinrich Deisl )

Klangliche Irrgärten

Die „Aelia Laelia Crispis“, das „Rätsel von Bologna“, ist eine lateinische Marmorinschrift an einer Kirche in Bologna, über die seit dem 16. Jahrhundert spekuliert wird. Dieser mysteriöse Text, der schon von dem Alchemisten Michael Maier gedeutet und von Sir Walter Scott und C. G. Jung literarisch verarbeitet wurde, bildet die thematische Grundlage der Platte. Das Titelstück nimmt Anleihen an das gleichnamige Gedicht von Gérard de Nerval. ( Text: Heinrich Deisl )

British composer and experimental music artist Christopher James Chaplin studied the piano with Irene Denereaz in Vevey/Switzerland before moving to London in the early 80ies. In 2009 he was invited by Viennese label Fabrique to collaborate with electronic musician Thomas Pötz aka Kava on “Seven Echoes”, an album released in 2010 and presented live at the Art Brut Museum Gugging in Austria. There he met electronic music pioneer Hans-Joachim Roedelius (Cluster, Harmonia) who later invited Christopher to take part in a “Late Junction“ session for BBC Radio 3. The result of this second collaboration eventually led to the album “King of Hearts”, released in 2012.

In the following years Chaplin and Roedelius performed around the world; these were largely improvised performances with Roedelius on piano and electronics, and Chaplin on synthesizers and orchestral samples. Amongst others they captivated audiences in Paris (Silencio), Sao Paulo (Sesc Belenzinho), Barcelona (Primavera Festival), Vienna (Casino Baumgarten, Thyssen-Bornemisza Art Contemporary, Volkstheatre), Linz (Lentos Kunstmuseum), Lunz am See (More Ohr Less Festival), Tiradendes (Mimo Festival), Madeira (MMiFF Festival) or Berlin (Akademie der Kunste and Haus der Kulturen der Welt).

October 2016 will see the release of Christopher Chaplin’s first solo album “Je suis le Ténébreux”, which has been partly recorded at AIR’s Atlas Studio in Paris and various studios in the UK. It combines experimental musical influences around a sixteenth century text, an epitaph known as the “Enigma of Bologna”.

The album also features the voices of Hans-Joachim Roedelius, Christine Martha Roedelius, French actress and soprano Judit Chemla and Italian tenor Pino Costalunga, as well as the text and voice of poet Claudia Schumann.

credits

released October 21, 2016 / Online August 2017 via Bandcamp

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