Best of 2017 … nachgefragt ! // Bei Karl Lippegaus / Lucky / Clemens / Gerhard / Harry Lachner ….

Ich gehöre nicht zu jenen die vorgeben ‚alles zu kennen‘ und so entdecke ich oft, bei den mir zugesandten Listen, neues oder vollkommen unbekanntes. Und wenn mir das alles auch noch gefällt, ist es doch wunderbar. Im besten Falle wird auch gleich noch der ‚Kaufbutton‘ getätigt.

Dabei kam ich auf folgende Idee. Warum nicht nachfragen, warum gerade diese CD ausgewählt worden ist.  Das schöne dabei ist, dass fast alle mitgemacht haben und das freut mich sehr !
Und für Euch die Gelegenheit, nochmal genauer hinzuhören ….

 

Karl Lippegaus:

Édouard Ferlet: Think Bach, op. 2 (Mélisse)

Die Alben von Ferlet und Viret, die beide vorher jahrelang im Trio arbeiteten, sind für mich wie zwei Seiten einer Münze. Sie zeigen einen neuen kreativen Umgang mit dem klassischen Erbe Bachs bzw. Couperins. Edouard Ferlet hat nach einem ersten Versuch einer Annäherung an Bach als Improvisator mit “Think Bach, op. 2” einen Meilenstein in die Landschaft gesetzt. Übrigens gibt es im Internet das gesamte Album auch transkribiert als Notentext. Ansonsten gilt wie immer: “Let the music speak for itself.” (Paul Motian) www.thinkbach.com

 

Jean-Philippe Viret: Les Idées Heureuses (Mélisse)

 

Lucky:

Hans Hassler – wie die zeit hinter mir her

Hassler also: Den Hans Hassler habe ich vor vielen Jahren als Duo-Partner von Gebhard Ullmann entdeckt, und mittlerweile hat er 3 spannende CD’s auf Intakt veröffentlicht, zwei Solo, und eine mit Ullmann an der Bassklarinette und Jürgen Kupke an der Klarinette. Es gibt wenig experimentierfreudige Akkordeonisten, die so geerdet wie Hassler sind. Er kommt ursprünglich aus der traditionellen schweizerischen Musik, hat später Klassik studiert und ist dann auch zum Jazz und zum Experimentellen gekommen. Ich mag diese enorme Bandbreite. Ein Landsnachbar der ein ähnliches Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten auf dem Akkordeon aufweist ist der Wiener Otto Lechner.

Clemens:
Orion Tango – The Apple of No (2017, ein Liveperformancemitschnitt)

Performancekunst, Livepower, Improvisationslust, zwischen Krautrockwahnsinn und urwüchsigem Groove angesiedelt, hat diese Gruppe um Gitarrist Tim Motzer Kraft, Laune und jede Menge Ideen, sich auf ganz eigene Achterbahnfahrten zu begeben, faszinierend auch die einfache und deutliche Sprache selbstinitiierender Akkordfolgen und dem beinahe schon archaischen Handling der Instrumente, ohne dass man herkömmliche Muster verspürt, sie verlassen ausgetretene Wege und Pfade, bewegen sich auf ganz eigenem Feld. Aufeinander abgestimmt, ineinander verschlungen und immer auch davontreibend und jagend.

Jim Motzer erklärt es selbst: „Natürlich ist Improvisation ein Teil der Welt jedes Komponisten, jeder Welt der Band. Es gibt immer einen Aspekt der Improvisation, normalerweise aber geht es um Struktur, einen Song, um Formen des Zusammenspiels. Wir gehen auf die Bühne und haben nichts vorbereitet. Wir finden Architektur oder Formen, Melodien und Akkordfolgen ad hoc, und alles andere folgt dieser Organik.“

 

Harry Lachner:

Mark Solborg, Christian Skjødt: „Omdrejninger“

Harry hat leider keine Zeit darüber zu schreiben, wofür ich vollstes Verständnis habe. Da mir aber diese CD so am Herzen liegt, gibt es hier die Reviews. Denn diese CD habe ich sofort gekauft !

Live: „..Indescribable beauty. A vertiginous symphony of sound that spellbound the audience for the duration of the concert.“ The album: „It is generous, sublime, innovative and epochal, and deserves the greatest attention far beyond the realms of contemporary music…“ – Jazz Special

…you become one with the sound .. Communication-wise this is some of the most impressing I have seen in a long time from Danish artists ….if you’re into experimental and abstract music this album is no. 1. on your future shopping list – Niels Overgaard, Jazznyt

“…this project presents a fascinating, even illuminating, listening experience. Each listening session deepens the intense, captivating power of this work, revealing more and more nuances, colors, shapes and textures. You feel that you can drawn into the meditative, sometimes turbulent breaths of Dörner, stroked by the wise, minimalist touches of Solborg and Zach or charmed by the eccentric-ecstatic vocals of Rexen. A highly stimulating, almost hallucinogenic experience is guaranteed.” – Eyal Hareuveni, freejazzblog.org

 

Gerhard:

Oiseaux-Tempête – AL-‘AN ! الآن (And Your Night Is Your Shadow – A Fairy​-Tale Piece Of Land To Make Our Dreams)

Eine atmosphärisch dichtes wie sich zwischen vielfältigsten Eindrücken aufreibendes musikalisches Tage- und Skizzenbuch, das sich im Gesamtbild zu einem großartigen tonalen Kunstwerk zusammenfügt und im 17-minütigen „Through The Speech Of Stars“ seine Klimax findet.
Nichts weniger als eine der gelungensten und ergreifendsten Arbeiten der letzten Zeit aus dem weiten Feld des improvisierten Postrock, realisiert in Zusammenarbeit mit Musikern des libanesischen Johnny Kafta Anti-Vegetarian Orchestra, dem ägyptischen Sänger und Komponisten Tamer Abu Ghazaleh und G.W. Sok, dem langjährigen Frontmann der niederländischen Anarcho-Punk-Combo The Ex – „some live epiphanies improvised between Middle East and Europe during the year of chaos 2016“.
Schöner als Alexandre Francoise von der Plattenfirma kann man’s kaum zusammenfassen: „One thing is certain: the story of the night that Oiseaux-Tempête paints is one that moves towards the day, and is one in which Eros still has words left to say“.

4 Replies to “Best of 2017 … nachgefragt ! // Bei Karl Lippegaus / Lucky / Clemens / Gerhard / Harry Lachner ….

  1. Ich glaub es nicht – da stehe ich in Deinem Post in einem Zug mit KARL LIPPEGAUS und HARRY LACHNER, zwei Radioleuten, die mir seit 30 Jahren die Ohren öffnen… das ist fast zuviel der Ehre 🙂

    Tolle Idee, portfuzzle – das sehr Persönliche darin finde ich besonders ansprechend. Es gibt viel zu viel universale Wahrheiten in Zeiten des Internets, dass das kleine Eigene immer mehr wert wird. Toll!

  2. Stapel mal nicht so tief … Deine Mix’s sind es allemal wert gehört zu werden ! Und diese Idee gefällt mir immer mehr … Vielleicht kann ich da mehr daraus machen …

  3. Lippgegaus und Lachner verdienen damit ihr Geld seit zig Jahrezehnten, ich bin lediglich ein Konsument, der versucht, weniger passiv zu sein… aber vor allem Spaß am Kompilieren hat, schon seit Mitte der 80er, als ích mit Mixtapes meinen Familien- und Freundeskreis verrückt gemacht habe. 😉

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